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Beziehung retten: Wie repariere ich eine Partnerschaft?

von | Stand: 17. Mai 2021 | Veröffentlicht: 2. Feb 2021

Du möchtest eine Beziehung retten, die am Boden oder eingeschlafen ist? Oder du bist bereits getrennt und fragst dich, ob und wie du die Beziehung reparierst? In diesem Beitrag findest du alles, was du über dieses Thema wissen musst (inklusive Test am Ende des Beitrags: „Ist meine Beziehung noch zu retten?“).

30-Sekunden Zusammenfassung

  • Lieben will gelernt sein. Eine Beziehungskrise entsteht oft aufgrund beschädigter Kommunikation. Rette deine kaputte Beziehung, indem du lernst, deine Bedürfnisse klarer zu kommunizieren.
  • Unter einigen Voraussetzungen lassen sich sowohl kaputte Beziehungen als auch bereits beendete Partnerschaften retten.
  • Es ist nur sinnvoll, eine Beziehung zu retten, wenn ihr eine gemeinsame Vision formulieren könnt.
  • Der schlechteste Grund, eine Beziehung nicht aufgeben zu wollen ist, weil du Angst vor dem Alleinsein hast.
  • Am Ende des Beitrags findest du in einem Test heraus, ob deine Beziehung noch zu retten ist. Mache jetzt den Selbsttest.

Wie kann man eine kaputte Beziehung retten?

Du bist in einer unglücklichen Beziehung? Es gab einen Vertrauensbruch in eurer Beziehung? Oder hattet ihr einen heftigen Streit und es fühlt sich so an, als hättet ihr euch getrennt? Du hast das Gefühl, dein Partner oder deine Partnerin hat keine Gefühle mehr für dich? Oder habt ihr euch einfach auseinandergelebt und die emotionale Nähe fehlt?

Beziehung retten_was tun
Infografik hier herunterladen (PDF in hoher Qualität)

“Lieben ist eine Kunst” – das hat schon der Psychoanalytiker und Philosoph Erich Fromm gesagt. Er meinte damit, dass das Lieben genauso gelernt werden muss wie zum Beispiel das Gitarrespielen.

Jede gesunde Paarbeziehung fängt mit der Beziehung zu dir selbst an. Werde dir zunächst deiner Bedürfnisse klar. Lerne, diese zu kommunizieren, bevor du wieder einen Schritt auf deinen (Ex-)Partner zugehst. Es kann dir helfen, dich näher mit dem Thema Selbstliebe lernen auseinanderzusetzen.

Ich möchte dir Mut machen: Mit der richtigen Herangehensweise und der Investition von Zeit und Mühe kannst du deine Beziehung vielleicht retten.

Kurz gesagt, rettest du eine Beziehung so:

  • Verändere den Kommunikationsstil (siehe dazu auch die 5 Sprachen der Liebe)
  • Fokussiere dich auf eure gemeinsame Vision als Paar
  • Kultiviere Dankbarkeit für deine Partnerschaft
  • Verliebe dich neu, indem du aufregende Dates planst
  • Beantworte für dich die Frage: Was macht eine gute Beziehung aus?

Wie du am besten vorgehst und unter welchen Umständen du eine Beziehung retten kannst (und solltest), sage ich dir ausführlich in diesem Beitrag.

Du möchtest noch mehr zu dem Thema erfahren? Dann höre dir meine passende Podcast-Folge dazu an:

Oder Folge hier herunteladen

Kriselnde Beziehung retten: 9 Tipps

Eine kaputte Beziehung zu retten, bedeutet sie zu heilen. Das Wort heilen bedeutet ursprünglich “Ganz-Werden”. Es ist also an der Zeit herauszufinden, wie du wieder ganz du selbst sein kannst in eurer Beziehung und wie du dadurch wieder mehr Nähe zu deinem Partner erleben kannst.

Kommunizieren

In einer Krise ist der Beziehungsalltag oft von Streit geprägt. Dies führt zu einem Gefühl der Entfremdung. Es häufen sich Verletzungen an und Kleinigkeiten führen zu Konflikten und Drama – nicht selten entwickeln sich Beziehungen an diesem Punkt zu destruktiven Partnerschaften. Sieh dir zu dem Thema unbedingt auch den Beitrag toxische Beziehung erkennen an.

Vielleicht wirft dir dein:e Partner:in vor, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen?

Genau dann ist es wichtig, deinem Bauchgefühl zu vertrauen: Vielleicht gehst du zu viele Kompromisse ein und hast längst aufgegeben, deine Bedürfnisse klar zu kommunizieren?

In Diskussionen und Streitigkeiten verfallen Menschen manchmal in eine destruktive Kommunikationsweise. Absolute Warnsignale sind Sätze wie “Du verstehst mich nie!”, “Mit dir kann man nicht diskutieren!”, “Du bist Schuld!”. Wenn dir diese Sätze bekannt vorkommem, lies dir bitte meinen Beitrag zum Thema Gaslighting durch.

Dr. Marshall B. Rosenberg betont, wie wichtig es ist, die eigenen Bedürfnisse zu äußern. Dazu entwickelte er die sogenannte “gewaltfreie Kommunikation” (GfK). Laut Studien seid ihr zufriedener mit eurer Beziehung, wenn ihr bedürfnisorientiert ohne Vorwürfe kommuniziert.

Die gewaltfreie Kommunikation funktioniert so: 

  • Beschreibe eine konkrete Handlung, die du beobachtet (Fakten, keine Mutmaßungen) hast und die dein Wohlbefinden beeinträchtigt (Beispiel: “Ich beobachte seit einiger Zeit, dass wir keine gemeinsamen Aktivitäten mehr machen”).
  • Drücke deine Gefühle aus und sage deinem Partner, was das Verhalten bei dir auslöst (Beispiel: “Dadurch entsteht bei mir das Gefühl, dass ich dir nicht mehr so wichtig bin”).
  • Sage deinem Partner, welche Bedürfnisse hinter den Gefühlen stehen (Beispiel: “Ich brauche die gemeinsame Zeit, um mich dir verbunden zu fühlen und zu merken, dass wir gemeinsam durch das Leben gehen möchten”).
  • Formuliere deinen Wunsch. Was ist deine Bitte an deinen Partner? (Beispiel: “Ich möchte gerne, dass wir einmal pro Woche etwas Schönes unternehmen gemeinsam”).

Diese Methode braucht etwas Übung, ist aber ein sehr mächtiges Kommunikations-Instrument. Partner, die diese Form der Kommunikation konsequent anwenden, erleben nicht selten echte Beziehungswunder. Häufig scheitert das Miteinander nämlich daran, dass Paare nicht konstruktiv miteinander sprechen. Es entsteht eine Negativspirale aus Streitigkeiten, Genervtheit und mangelnder Nähe.

Was ist euer “Warum”?

Vielleicht ist euch der Hashtag #RelationshipGoals oder #CoupleGoals in sozialen Medien unter Bildern von glücklichen Paaren schon begegnet? 

Tatsächlich wissen wir aus der Forschung, dass sich gemeinsame Ziele in einer Partnerschaft sehr positiv auf die Qualität von Beziehungen auswirken! 

Praxistipp: Nichts wie her mit Stift und Papier: Setzt euch zusammen und schreibt aus dem Bauch heraus eure Wünsche und Visionen für eure Beziehung auf. Findet Überschneidungen und das gemeinsame “Warum” für eure Liebe.

Diese gemeinsame Vision hilft euch auch in einer Beziehungskrise den Weitblick zu behalten.

Zeit nehmen

Ist die Liebesbeziehung zum Alltag geworden? Wann habt ihr das letzte mal bewusst Zeit miteinander verbracht? Die gemeinsam verbrachte Zeit ist ein wichtiger Indikator für die Zufriedenheit in Liebesbeziehungen.

Für manche Paare ist die Lösung relativ einfach: Sie planen feste Termine und Zeiten für Zweisamkeit ein. Je nach Bedürfnis kann das zum Beispiel ein bestimmter Tag in der Woche sein oder eine Stunde am Tag. Wichtig ist, dass beide Seiten auch wirklich Lust darauf haben, gemeinsame Zeit einzuplanen.

Grenzen setzen

In engen zwischenmenschlichen Beziehungen muss jeder lernen, Grenzen zu setzen und achtsam mit sich umzugehen.

Ein Beziehungsende ist oft vorprogrammiert, wenn du dich verbiegst, nur um es dem oder der anderen Recht zu machen. Bleib also bei dir und setze klare Grenzen. Schaffe dir Freiräume – auch wenn das vielleicht im ersten Schritt erst einmal Verlustängste auslöst.

Grenzen setzen funktioniert so:

  • Klar und objektiv: Formuliere die Grenze so, dass sie klar verständlich für das Gegenüber ist. Sowohl du als auch dein Partner oder deine Partnerin müssen schließlich genau wissen, wann eine Grenzüberschreitung vorliegt.
  • Nein sagen lernen: Paradoxerweise rauben notorische Ja-Sager nicht nur sich selbst Energie, sondern auch dem Partner oder der Partnerin – und damit der Beziehung. Wenn du „ja“ sagst, aber „nein“ meinst, hat dein Partner kaum eine Chance, deine Grenzen zu erkennen und deine Bedürfnisse zu berücksichtigen.
  • Kommuniziere deine Bedürfnisse: Sage, warum du diese Grenze setzt und warum es für dich wichtig ist, dass diese Grenze respektiert wird. Welches Bedürfnis verbirgt sich hinter der Grenze?
  • Vermeide zu viele Erklärungen: Dein Ego wird dich vielleicht dazu verleiten, dich in ewige Diskussionen zu begeben. Besser ist es, die Grenze einmal klar zu formulieren und dem Gegenüber dann die freie Entscheidung zu überlassen, die Grenze zu respektieren oder zu übertreten.
  • Konsequenzen: Wie wirst du dich im Falle eines Grenzübertritts verhalten? Formuliere dies ganz klar – und sei in der Umsetzung konsequent.

Wenn du deinem/r Partner/in wieder aus der Mitte deiner selbst begegnen kannst, wird eure Beziehung eine ganz andere Qualität haben.

Aufregende Aktivitäten

Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie sprechen dafür, Dates aufregend zu gestalten. Je erregter ihr seid, desto attraktiver werdet ihr euch gegenseitig finden. Klingt komisch? Ist aber so! Hier meint “erregt” einfach die allgemeine Aktivierung eures zentralen Nervensystems. 

Ob ihr… 

  • gemeinsam Sport macht,
  • einfach ein befruchtendes Gespräch führt,
  • euch Koffein beim Kaffee-Trinken zuführt,
  • über eine Hängebrücke in atemberaubender Höhe lauft,
  • oder euch gemeinsam bei einem Nachtspaziergang Gespenstergeschichten erzählt und euch gruselt

… – ganz egal! Das Ziel ist, dass ihr gemeinsam positive Spannung erlebt und euch so wieder neu ineinander verliebt.

Vergebung 

Du bist wütend auf deine/n Partner/in und möchtest deiner Wut Ausdruck verleihen? Neigst du dazu, in Streitsituationen laut zu werden und eingeschnappt zu reagieren? Fühlst du dich nach so einem Streit verbunden mit deinem Gegenüber oder einsam?

Es ist sehr typisch, dass sich beide Partner nach einem destruktiven Streit ohne Versöhnung zunächst einsam und unverstanden fühlen. Es ist deshalb sehr wichtig, sich versöhnen zu können.

Du kennst es vielleicht: Das ist nämlich gar nicht so einfach, manchmal. Vor allem nach intensiven Streits fällt es Partnern schwer, wieder aufeinander zuzugehen und Nähe sowie Zweisamkeit zuzulassen. Es hilft hier unfassbar, Vergeben und Verzeihen als das zu erkennen, was es ist: Ein unfassbar mächtiges Werkzeug, das dich befreit.

Du kannst vergeben, indem du 

  • die Perspektive deines Gegenübers einnimmst 
  • und dann Mitgefühl empfindest.

Mehr Kuscheln!

Diese Jahreszeit schreit geradezu nach mehr Zeit im Bett! Laut Studien wirken sich Kuscheln, Küssen und körperliche Nähe positiv auf die Beziehungszufriedenheit aus.

Sich körperlich nah zu sein, stärkt somit auch die emotionale Bindung – und andersherum! Dahinter verbirgt sich ein einfaches Prinzip: Berührungen geben uns das Gefühl, angenommen zu werden. Das Gefühl wiederum führt dazu, dass wir körperliche Nähe suchen.

Es ist kein Zufall, dass eine “Berührung” sowohl physisch als auch emotional stattfinden kann – unsere Sprache macht hier keinen Unterschied. Körperliche Berührungen berühren uns emotional – schön, oder?

Paarberatung  und -therapie

Gerade in der systemischen Paarberatung geht es vor allem darum, wiederkehrende, starre Kommunikationsmuster zu durchbrechen. Die Kommunikation zwischen Paaren bedingt sich gegenseitig und verläuft meist nach einem wiederkehrenden Muster.

Wenn dieses Muster zu festgefahren ist, äußert sich dies oft in einer Beziehungskrise. Diese Krise äußert sich in emotionalen Auseinandersetzungen voller Wut, Trauer, Enttäuschung und Verletzung. Eine Paartherapeutin oder ein Paartherapeut kann hier als neutrale Instanz helfen, Themen konstruktiv aufzuarbeiten.

Die objektive Sichtweise eines Beraters kann Kommunikationsmuster aufdecken, um so neue Perspektiven und Handlungsräume gemeinsam mit euch zu erarbeiten. Therapeuten und Paarberater setzen gezielt Gesprächstechniken ein, um einen fruchtbaren Austausch zu ermöglichen.

Folgende Themen lassen sich in einer Paartherapie angehen:

  • Wiederkehrende, destruktive Streitereien
  • Fremdgehen und Untreue
  • Belastende Lebenssituationen (beispielsweise Umzug oder Familienprobleme)
  • Psychische Probleme eines Partners, die die Beziehung belasten
  • Emotionale Wiederbelebung der Beziehung (Wege finden, um sich emotional anzunähern)

Dankbarkeits-Meditation

Welche Aktivitäten genießt du mit deinem Partner? Wann wart ihr das letzte Mal auf einem Date und was hast du damals, als ihr euch kennengelernt habt, in dein Tagebuch geschrieben? Was fasziniert dich so an diesem Menschen? Was hat er, was andere nicht haben?

All diese Fragen zielen darauf ab, den Wert deiner Partnerschaft zu erkennen. Emotionsforscher sind sich sicher, dass Dankbarkeit eine Beziehung nachhaltig aufrecht erhält. 

Praxistipp: Meditation der Dankbarkeit

Nimm dir einen Moment Zeit, um das Gefühl der Dankbarkeit für deine Partnerschaft zu kultivieren. Stell dir ganz bewusst deine/n Partner/in vor und frag dich selbst: “Wofür bin ich dankbar?”

Blende die Alltagsprobleme für einen Moment aus. Begib dich stattdessen mit all deiner Aufmerksamkeit in die Meditation bis dein Herz voller Dankbarkeit für eure Beziehung ist! Schau unbedingt in meinen Beitrag Meditation für Anfänger (inkl. kostenlosem Audiokurs).

Beziehung nach Trennung retten: 5 Tipps

Die Trennung ist ganz frisch und das Bauchgefühl sagt: “Ich will ihn/sie zurück”? Du weißt genauso gut wie ich: Oft ist es besser, die Situation zu akzeptieren und über die Trennung hinwegzukommen

Manchmal lohnt es sich aber, für deine Liebe kämpfen! Für diesen Fall habe ich unten 5 praxiserprobte Tipps zusammengefasst, die wirklich funktionieren.

Schreibe einen Brief

Diese Methode wird meiner Erfahrung nach gnadenlos unterschätzt. Warum ein Brief so wirkungsvoll ist? Weil es vielen Menschen in einem Gespräch einfach nicht so gut gelingt, die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Ein Brief kann hier ein sehr guter Weg sein, um dem Gegenüber die eigene Sichtweise und Emotionen authentisch darzulegen.

Außerdem gibst du deinem Gegenüber Freiraum, deine Worte erst wirken zu lassen. Wenn er/sie sich dann meldet, kannst du dir gewiss sein, dass es aus vollem Herzen geschieht und eine bewusste Entscheidung war.

In Beziehungskrisen verfängt man sich in einem Gespräch oft in alten Konflikten, Vorwürfen und intensiven Gefühlen. Mit einem Brief kannst du deine Wünsche klar äußern und mit konkreten Vorschlägen für Veränderungen argumentieren.

Praxistipp für den Brief:

Schreibe alle Punkte (Wünsche, Bedürfnisse, Veränderungsvorschläge)  zunächst für dich selbst auf und priorisiere sie nach Wichtigkeit. Schreibe dann auf, wofür du in eurer Beziehung dankbar bist und integriere diese Punkte auch in deinen Brief.

Melde dich nicht dauernd

Du fragst dich jetzt vielleicht, ob du den Kontakt abbrechen oder Nähe suchen sollst? Die Balance ist entscheidend.

Wenn du dich gerade eher für “Nähe” entscheiden möchtest, plagen dich wahrscheinlich einige der folgenden Gedanken:

  • “Wenn ich zu lange warte, will er keine Beziehung mehr”
  • “Wann meldet er/sie sich das nächste mal?
  • Soll ich ihn/sie einfach anrufen?
  • Warum schreibt er mir nicht mehr?
  • Mein Trennungsschmerz hört bestimmt sofort auf, wenn wir uns wiedersehen und alles wird gut!”

Praxistipp: Beobachte die Gedanken und schreibe wiederkehrende Gedanken auf. Das hilft, einen kühlen Kopf zu bewahren!

Habe Geduld

Wissenschaftler schätzen die Persönlichkeitsmerkmale Vertrauen und Geduld als wichtig für eine gesunde Partnerschaft ein.

Was bedeutet geduldig sein, wenn es um deine Beziehungskrise geht? 

Sei vorsichtig mit zu schnellen Schlussfolgerungen. Vielleicht habt ihr euch zu wenig Zeit dafür gelassen, eure Trennungsgründe gemeinsam zu formulieren. Könnte es sein, dass die Trennungsgründe eher Vorwürfen gleichen? Sind Vorwürfe nicht immer schlecht formulierte Wünsche?

Es lohnt sich hier, sich in Ruhe Zeit zu nehmen, um entweder ohne deine/n (Ex-)Partner/in oder gemeinsam die Konflikte auf der Ebene eurer Bedürfnisse zu betrachten.

Hierfür ist es meist sinnvoll, ein wenig Zeit verstreichen zu lassen, und sich in Geduld und Loslassen zu üben,  bis die Hitze des Streitgesprächs verpufft ist.

Besinne dich auf dich selbst 

Die Zeit einer Trennung birgt das Potenzial, dich wieder mehr auf dich selbst zu besinnen. Was macht dich unabhängig von deiner Beziehung aus? Wenn du diese Frage beantworten kannst, wirkt sich das positiv auf deine Beziehungen im Außen auf (zum Beispiel in Liebesbeziehungen).

Welche Rollen verkörperst du sonst noch in deinem Alltag? Sicherlich nimmst du eine bestimmte Rolle auf der Arbeit oder innerhalb deiner Familie ein. Außerdem könnte es sein, dass du ein bestimmtes Hobby verfolgst oder du dich beruflich weiterbildest und auch da Teile von dir lebst, die unabhängig von deiner Beziehung existieren.

Praxistipp: Schreibe einmal alle Dinge auf, die dich unabhängig von deiner Beziehung ausmachen. Danach notiere die Dinge, die du gerne gemeinsam mit deinem Partner in deiner Beziehung leben möchtest.

Vielleicht wirst du feststellen, dass die Partnerschaft, so wie ihr sie vorher gelebt habt, gar nicht unbedingt deinen Vorstellungen entspricht. Es lohnt sich, den eigenen Beziehungsalltag zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, welche Dinge man unabhängig von allen Normen oder jeglicher Alltagsroutine mit dem anderen teilen möchte.

Beziehung Retten | Chris Bloom
Eine Beziehung ist ein partnerschaftliches Unterfangen von zwei Individuen. Die Voraussetzung, um eine Beziehung retten zu können: Beide Partner müssen die eigenen Bedürfnisse und Wünsche an die Beziehung formulieren und gemeinsam leben.

Mach reinen Tisch 

Oft ist die Voraussetzung für einen ernsthaften Neustart in einer Liebesbeziehung die radikale Ehrlichkeit. Mache Tabula rasa, sodass ihr von vorne starten könnt.

Ganz nach dem Motto “Du hast nichts mehr zu verlieren”, kannst du deinem:r Partner:in alles erzählen – im schlimmsten Fall sogar von vergangenen Affären (die du hoffentlich nicht hattest).

So wirst du schnell merken, ob du den richtigen Partner gefunden hast. Sprich Konflikte radikal an und bitte auf jeden Fall um Vergebung oder übe dich selbst in Vergebung. 

Erst wenn wieder fruchtbarer Nährboden da ist, könnt ihr gemeinsam entscheiden, die Samen für eine neue Phase eurer Liebesbeziehung zu säen. Radikale Ehrlichkeit kann eine gute Basis für einen Neuanfang sein.

Beziehung retten nach Fremdgehen

Ein Seitensprung ist ein extremer Vertrauensbruch. Paaren gelingt es nicht immer, ein solches Ereignis hinter sich zu lassen – selbst, wenn beide möchten. Die Verletzung ist dann einfach zu groß.

Für viele Menschen ist wiederum von vornherein klar, dass sie einem Partner, der sie betrogen hat, nie wieder vertrauen können und wollen. In diesen Fällen ist es unmöglich, die Beziehung zu reparieren.

Wenn beide Partner die Beziehung nach einer Affäre wirklich retten wollen, geht das nur mit viel Beziehungsarbeit und ehrlicher Kommunikation. 

Je nachdem, ob du selbst fremdgegangen bist oder von jemandem betrogen wurdest, habe ich dir unten das Wichtigste zu diesem Thema zusammengefasst.

Du bist fremdgegangen, was nun?

Hast du schon herausgefunden, warum du fremdgegangen bist? Gibt es ein Bedürfnis in eurer Zweisamkeit, das nicht erfüllt war?

Praxistipp: Schreibe einmal auf, was dir deine Affäre gegeben hat, was dir dein:e Partner:in zu diesem Zeitpunkt eurer Beziehung nicht geben konnte. Frage dich abschließend: “Sind diese Bedürfnisse zur Zeit in meiner Beziehung befriedigt? Habe ich alle Bedürfnisse schon in einem Gespräch mit meinem:r Partner:in geäußert?”.

Zwei Szenarien sind jetzt möglich: Du erzählst die Wahrheit oder lässt es bleiben. 

Diese Entscheidung kannst nur du ganz individuell treffen. 

Wichtig ist die Motivation in deinem Herzen. Bereust du, was du getan hast? Kannst du dir zunächst selbst vergeben, sodass Schuldgefühle und Selbstverurteilung milder werden?

Erst dann kannst du mit einem offenen Herz deinen:r Partner:in um Vergebung bitten. Übernimm Verantwortung für dein Handeln und gib deinem:r Partner:in den nötigen Freiraum, seine Gefühle auszudrücken. Wenn du die Beziehung retten möchtest, obwohl du deinen Partner betrogen hast, bist du in der Bringschuld.

Durch Geduld und Mitgefühl signalisierst du deinem Gegenüber, dass dir eure Beziehung wichtig ist. Du siehst euch auch während der Beziehungskrise als “Team”, das gemeinsam die Vision einer glücklichen Partnerschaft verwirklichen möchte.

Er oder sie ist fremdgegangen – und jetzt?

Frage dich ganz ehrlich, ob du dem Partner eine zweite Chance geben kannst. Du solltest hier nicht gegen dein Gefühl gehen. Wenn du jetzt schon für dich weißt, dass du den Seitensprung niemals verzeihen kannst, solltest du dich nicht zwingen. Du kannst echte Vergebung nicht erzwingen.

Wenn du die Beziehung trotz Affäre retten willst, hüte dich vor Selbstmitleid. Dieses hilft dir nicht weiter. Es würde ein Rückzug aus dem Kontakt bedeuten und in einem Gefühl des “Nicht-Geliebt-Seins” und der Einsamkeit münden.

Das Fremdgehen birgt das Potenzial, über ungelebte Wünsche zu sprechen. Ihr könnt gemeinsam herausfinden, welche Gedanken und Gefühle euch davon abgehalten haben, ehrlich miteinander zu sein und eure tiefsten Bedürfnisse miteinandern zu teilen.

Finde für dich heraus, welcher Beziehungstyp du bist und welche Art von Liebe du dementsprechend benötigst, um glücklich zu sein.

Auch deiner Trauer oder Verletztheit sollte genügend Raum gegeben werden. Indem dein Partner dir untreu war, muss er oder sie damit rechnen, dass dieses Verhalten Schmerz in dir auslöst.

Wenn er dafür keinen Blick hat und nur selbstbezogen handelt, besteht die Gefahr, dass du dich in einer Beziehung mit einem Narzissten befindest.

Praxistipp: Probier doch mal aus, deinem Rückzugsimpuls zu widerstehen und bitte deinen Partner, dich einfach zu halten und dir Raum für deine Gefühle zu geben. Ihr braucht nicht viele Worte, um mit eurer Aufmerksamkeit bei dem zu bleiben, was zwischen euch passiert im Hier und Jetzt.

Der US-amerikanische Professor für Psychiatrie und Gestalttherapeut A. Beißer sprach in diesem Kontext vom Paradox der Veränderung. Du wirst feststellen, wie eure reine Aufmerksamkeit auf deinem Gefühl schon zu dessen Veränderung führt.

Beziehung reparieren oder beenden?

Beantworte folgende Fragen ehrlich für dich, um herauszufinden, ob du die Beziehung retten oder beenden solltest. Es ist Fakt, dass nicht jede Beziehung gerettet werden sollte. Nämlich dann nicht, wenn sie dich unglücklich macht und du nicht sein kannst, wer du bist. Wenn du die folgenden Fragen positiv beantworten kannst, gibt es eine reelle Chance, die Beziehung zu reparieren!

Könnt ihr eine gemeinsame Vision formulieren?

Wenn du deine Wünsche, Ideen und Bedürfnisse in Bezug auf die Partnerschaft aufschreibst: Würde dein Partner oder deine Partnerin diese unterschreiben?

Wenn ihr völlig diametrale (gegensätzliche) Lebensziele habt und euch nicht darauf einigen könnt, was eine gute Beziehung ausmacht, wird es schwer, die Beziehung zu retten.

Um eine gemeinsame Vision zu formulieren, sollten folgende Themen beachtet werden:

  • Einstellung zum Leben: Stimmen eure grundsätzlichen Einstellungen zum Leben überein?
  • Persönliche Bedürfnisse: Seid ihr euch in der Frage einig, wie eine glückliche und gute Beziehung aussieht? Frage dich: Unter welchen Voraussetzungen bin ich beziehungsfähig?
  • Interessen: Es hilft, wenn sich beide Partner für ähnliche Themen interessieren. Das bedeutet natürlich nicht, dass man in einer Partnerschaft alles zusammen machen muss. Aber: Gemeinsame Erlebnisse stärken die Bindung (beispielsweise ein schöner gemeinsamer Urlaub).
  • Familienplanung: Möchtest du einmal eine Familie gründen und falls ja, wann?

Es hilft dir sehr, all diese Dinge zu Papier zu bringen. Frage dich (und deinen Partner), wie eure Beziehung jetzt aussehen sollte – und wie sie sich über die nächsten 2 bis 5 Jahre entwickeln soll.

Bitte beachte: Es geht nicht darum, dass ihr möglichst gleich seid! Es geht vielmehr darum, ob eure Lebenswege und Bedürfnisse kompatibel sind.

Was genau stört dich an der Beziehung?

Reflektiere einmal ehrlich, welche positiven und negativen Eigenschaften die Beziehung hat. Schreibe sowohl alle negativen Dinge als auch alle positiven Dinge auf ein Blatt Papier. Diese Visualisierung hilft dir weiter, um ein authentisches Bild von der Beziehung zu bekommen.

Du siehst so auf einen Blick, ob für dich die positiven oder negativen Aspekte überwiegen. Bei der Pro-und-Contra-Liste hilft es dir sehr, wenn du für dich besonders wichtige Aspekte gewichtest.

Hast du einfach nur Angst vor dem Alleinsein?

Viele Menschen trennen sich gar nicht oder zu spät, weil sie nicht alleine sein können oder möchten. Dieses Verhalten ist eine Form von Selbstsabotage. Wir wissen, dass uns die Beziehung nicht guttut – trotzdem halten wir weiter aus, um nicht auf uns alleine gestellt zu sein.

Die Wahrheit ist: Es entsteht mehr Leid dadurch, dass Menschen zusammenbleiben als dadurch, dass sie sich trennen. Die Angst vor dem Alleinsein ist also kein guter Grund, um eine Beziehung retten zu wollen.

Es könnte darüber hinaus ein Hinweis darauf sein, dass du dir selbst nicht genug bist und die Liebe von außen benötigst, um dich gut zu fühlen. Frage dich ehrlich, ob du wirklich die Beziehung oder dich vor dem Alleinsein retten möchtest.

Lesetipp: Es gibt einen Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit. Warum Einsamkeit nicht bedrohlich ist und wie du sie überwindest, erfährst du im entsprechenden Blog-Beitrag: Was tun gegen Einsamkeit?

Test: Ist meine Beziehung noch zu retten?

Bitte absolviere den folgenden Test, indem du auf die Fragen antwortest. Die Auswertung findest du nach dem Test weiter unten auf der Seite.

Auswertung

0-4 Punkte:

Es scheint, als fehlt es in eurer Beziehung an gemeinsam verbrachter Zeit. Falls ihr nicht die gleichen Interessen teilt, dann schafft euch trotzdem Raum für abwechslungsreiche Dates. Probiert gemeinsam neue Dinge aus und setzt euch gemeinsam Ziele für eure Beziehung. 

Das können ganz banale gemeinsame Wünsche sein, wie “ein Frühstück im Bett” oder “ein Massageabend” oder “eine gemeinsame Wanderung”.

Besinnt euch auf eure Überschneidungspunkte.

Um deine Beziehung zu retten ist es außerdem wichtig, radikal ehrlich zu sein, was deine Bedürfnisse angeht. Kommuniziere deine Bedürfnisse klar. Achte dabei darauf, dass du sie möglichst nicht in Vorwürfen formulierst.

5-9 Punkte: 

Ein wichtiger Schlüssel, um Konflikte aufzulösen ist die Orientierung an den Bedürfnissen deines:r Partners:in und von dir selbst. Übe dich in aktivem Zuhören. Beobachte dich dabei, ob du Worte deines:r Partners:in je nach emotionaler Stimmung unterschiedlich auffasst. Wenn du dir  nicht sicher bist, was dein Gegenüber dir genau mitteilen mag, probier doch mal aus, direkt nachzufragen, um Missverständnisse vorzubeugen.

Ihr habt auf jeden Fall noch Potenzial nach oben, was die Konfliktklärung angeht und ich empfehle euch, eure destruktiven Kommunikationsmuster mit gegenseitigem Nachfragen und Zuhören zu durchbrechen.

10-13 Punkte:

 Ihr habt gute Chancen! Du scheinst ein gesundes Maß an Eigenständigkeit innerhalb deiner Beziehung zu leben. So lässt sich die gemeinsam verbrachte Zeit umso mehr wertschätzen und im Sinne eurer gemeinsamen Beziehungsvision gestalten.

Wie rette ich eine kaputte Beziehung?

Wenn beide Partner die Beziehung wirklich retten wollen, helfen diese Tipps: Kommunikationsstil verändern. Gemeinsames „Warum“ formulieren. Sich Zeit nehmen. Grenzen setzen. Aufregende Aktivitäten planen. Sich versöhnen können. Körperliche Nähe suchen. Dankbar sein.

Kann ich eine Trennung verhindern?

Auch wenn es gerade schlecht läuft und es wiederkehrende Probleme gibt, heißt das nicht, dass sich die Partnerschaft nicht reparieren lässt. Manchmal wird es belohnt, für eine Beziehung zu kämpfen.

Was tun, wenn die Beziehung kurz vor dem Aus ist?

Wenn beide Partner wirklich zusammen sein möchten, lässt sich eine kaputte Partnerschaft retten. Dafür müssen beide Partner an sich und der gemeinsamen Beziehung arbeiten. Es ist unfassbar wichtig, sich ehrlich zu reflektieren.

<a href="https://chrisbloom.de/author/chris/" target="_self">Chris Bloom</a>

Chris Bloom

Ich bin Chris Bloom – Systemischer Therapeut i.A., Gesundheitsökonom (M. Sc.), Autor, Podcaster, Speaker und Coach. Unsere Gedanken und die richtige innere Haltung empowern uns, unser Leben nach unseren Wünschen zu kreieren. Das Fundament hierfür bilden die drei Säulen: Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis. Diese sind für uns individuell erlernbar – wie das Einmaleins in der Schule. Ich helfe dir dabei, dieses Fundament zu schaffen – damit du das Leben leben kannst, das du dir wünscht. Infos zu meiner Vita und Vision: Wer ist Chris Bloom?

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