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Gedankenkarussell stoppen: 9 Wege aus der Grübelfalle

von | Stand: 11. Jun 2021 | Veröffentlicht: 9. Jan 2021

Gedankenkarussell stoppen: In diesem Beitrag erfährst du, wie du Kontrolle über dein Gedankenkarussell erlangst – und es stoppst! Außerdem sage ich dir, welche Ursachen es für dieses Phänomen gibt (es hilft, diese zu kennen, um negative Denkschleifen effektiv zu bändigen).

30-Sekunden Zusammenfassung

  • In der Psychologie versteht man unter einem “Gedankenkarussell” sich aufdrängende, automatische Gedanken – die sich schwer kontrollieren lassen.
  • Als Menschen haben wir täglich mehrere tausend Gedanken. Manche Gedankenschleifen davon sind unfreiwillig und automatisch. 
  • Es gibt unterschiedliche Arten von Gedankenschleifen: Zwangsgedanken, Sorgen und Grübeln.
  • Die Ursache der negativen Gedankenspirale liegt in der negativen Bewertung des sich aufdrängenden Gedankens, nicht im Gedanken selbst. 
  • Du findest am Ende des Beitrags 9 wirkungsvolle Methoden, um dein Gedankenkarussell effektiv zu stoppen und zu kontrollieren.

Was ist ein Gedankenkarussell?

Menschen denken tausende Gedanken jeden Tag. Und die meisten davon sind wiederkehrend. Wir haben aber nicht immer die volle Kontrolle darüber, welchen Gedanken wir uns hingeben.

Die klassischen Grübelgedanken äußern sich in aufdrängenden, automatischen und kreisenden Gedanken. Diese sogenannten Kognitionen laufen schnell ab und sind unfreiwillig. Sie halten den Betroffenen zum Beispiel vor dem Einschlafen wach und halten manchmal mehrere Stunden an.

Meistens wird das Gedankenkarussell durch eine Erfahrung von außen oder durch Erinnerungen an bestimmte Situationen oder Probleme getriggert (ausgelöst). Auf die “Grübelattacke” folgt dann eine negative Emotion. Wir ärgern uns über uns selbst, dass wir nicht aus dem Gedankenkarussell aussteigen können. Ständig kreisende Gedanken sind dann eine Form von Selbstsabotage – wir wissen, dass uns das Kopfzerbrechen nicht gut tut, trotzdem geben wir uns der Gedankenspirale hin.

Selbstsabotage_Beispiel

Besonders gemein ist es, wenn das Gedankenchaos nachts kommt: Ehe man sich’s versieht, ist es 4 Uhr am Morgen. Betroffene schlafen dann oftmals nur aus Erschöpfung ein – nicht, weil sie durch das Grübeln zu einer Lösung gekommen wären. Das Gedankenwirrwarr kann uns aber auch tagsüber heimsuchen.

Um effektiv gegen Grübeleien vorzugehen, musst du zunächst verstehen, woher diese kommen. Dieser Beitrag hilft dir, den Ursprung negativer Gedankenschleifen zu verstehen.

Und noch wichtiger: Du findest weiter unten effektive, praxiserprobte und wissenschaftlich fundierte Tipps und Übungen, um das Gedankenkarussell zu stoppen.

Zwei Arten von Gedankenschleifen

In der Psychologie wird unterschieden zwischen

  • Zwangsgedanken und
  • wiederkehrenden Sorgen oder Grübeleien

Wenn du dich hierin wiedererkennst, heißt das noch lange nicht, dass du “krank” bist. Die Einteilung hilft jedoch sehr dabei, um effektiv gegen die Gedankenkarussell-Attacken vorgehen zu können. Im Folgenden erkläre ich dir den genauen Unterschied zwischen den beiden Arten.

Was sind Sorgen und Grübeleien?

Fast jeder Mensch kennt diese Situation: Man liegt im Bett und macht sich Sorgen um die Zukunft. Oder man grübelt – über Situationen, in denen man unfair behandelt wurde oder über vermeintlich falsche Entscheidungen, die man getroffen hat.

Typische Auslöser

  • Eine Trennung: Du fragst dich dann beispielsweise, ob du jemals über eine Trennung hinwegkommen kannst.
  • Selbstzweifel: “Ich bin nicht gut genug. Eigentlich ist es klar, dass mich niemand mögen kann” – wenn dir solche oder ähnliche Gedanken den Schlaf rauben, darfst du Selbstliebe lernen.
  • Stress bei der Arbeit: Möglicherweise hast du dort mit echten Energievampiren zu tun und du grübelst, wie du mit diesen negativen Menschen umgehen kannst.
  • Liebeskummer: Er will keine Beziehung (oder “sie”) mit dir eingehen und du zermaterst dir den Kopf, ob du kämpfen oder den Kontakt abbrechen sollst.
  • Konflikte in der Familie: Manchmal gibt es in Familien schwelende Konflikte, die einem den letzten Nerv rauben (und einen nachts wach halten). In Extremfällen betreiben Verwandte sogar Gaslighting.

Es gibt unendlich viele Trigger für diese negativen Denkschleifen.

Wie viel “Grübeln” ist normal?

Dass dies “mal” vorkommt, ist völlig normal. Wenn du jedoch regelmäßig wach liegst, weil du das Gedankenkarussell nicht stoppen kannst, ist es an der Zeit, zu handeln. Wenn du das Gefühl hast, dass du regelmäßig in Grübeleien gefangen bist, solltest du dies nicht einfach ignorieren.

Das Problem ist: Wer sich ständig sorgt und sich in Grübeleien verliert, läuft Gefahr, eine Angststörung oder Depression zu entwickeln. Dieser Effekt zeigt sich bereits bei Kindern, wie eine Studie der University of South Carolina zeigt.

Gesunde Menschen und Menschen mit Angststörungen haben übrigens inhaltlich sehr ähnliche Sorgen. Sie entsprechen inhaltlich deshalb den sogenannten “nicht-pathologischen Sorgen”. Sorgen und Grübeleien im Kontext von Angststörungen beziehen sich häufig auf die Zukunft.

Worin sich die Gedanken (zwischen Menschen mit Angststörung und Menschen mit “normalen” Sorgen) aber deutlich unterscheiden: Dauer, Intensität und Kontrollierbarkeit. Wer eine Angststörung hat, sorgt sich permanent, sehr intensiv – und kann kaum aus dem Gedankenkarussell aussteigen. Schlaflose Nächte sind dann “Normalität”.

Was sind Zwangsgedanken?

Wenn Menschen Zwangsgedanken haben, beziehen sich diese oft auf spezifische Themen, wie beispielsweise

  • Verschmutzung und Verunreinigungen,
  • die Ordnung von Dingen,
  • aggressive Impulse
  • oder sexuelle Vorstellungen. 

Anhaltende Gedanken über Verschmutzung und Verunreinigungen können zum Beispiel Ängste vor Ansteckung an einer bestimmten Krankheit beinhalten (häufig gepaar mit Hypochondrie) und in einem Waschzwang enden.

Symmetriebezogene Gedanken richten sich auf die Ordnung von Gegenständen im Raum oder beziehen sich auf Zählzwänge unterschiedlichster Art.

Aggressive oder schreckliche Impulse beziehen sich vor allem auf das Verursachen von Schaden. Viele Menschen kennen beispielsweise den Gedanken, sich am Bahngleis vor den Zug zu stürzen. Erst wenn dieser Gedanke negativ bewertet wird und darin mündet, dass man Bahngleise generell meidet, ist es ein Zwangsgedanke.

Sexuelle Vorstellungen beziehen sich meist auf gesellschaftliche tabuisierte Themen, wie zum Beispiel Homosexualität.

Meist versuchen Menschen mit Zwangsgedanken, die Gedanken und Impulse zu unterdrücken. Die auslösenden Situationen werden möglichst gemieden.

Entstehung des Gedankenkarussells

In der Psychologie geht man von mehreren Faktoren aus, welche das Gedankenkarussell bedingen.

Zu den wichtigsten gehören:

  • Biographische Faktoren: Kindheitserfahrungen spielen eine wichtige Rolle. Je nach Prägung in der Kindheit werden wir durch unterschiedliche Situationen getriggert. Je mehr wir uns dieser Trigger bewusst werden, desto mehr können wir bewusst entscheiden wie wir agieren wollen. Die Reaktion wird zur Aktion.
  • “Schwarzmalerei”: Dazu gehört beispielsweise das Persönlichkeitsmerkmal der “Unsicherheitsintoleranz”. Dieser Begriff beschreibt, in welchem Maße Menschen unsichere zukünftige Situationen als belastend empfinden. Dahinter verbirgt sich die Frage: Wie tolerant bin ich, die Zukunft nicht zu kennen? Wer mit dieser Unsicherheit gut umgehen kann, wird seltener von Gedankenspiralen geplagt. Wer die Zukunft tendenziell als “bedrohlich” wahrnimmt, wird öfter vom Gedankenchaos heimgesucht.

Teufelskreis der Gedankenschleifen

Der englische Psychologe Salkovskis hat ein 4-phasiges Entstehungsmodell des Gedankenkarussells entwickelt. Dieses hilft dir dabei, die Mechanismen zu verstehen, welche die Grübelgedanken so unerträglich machen.

Wenn du die Mechanismen verstehst, wirst du erkennen, wie du aus dem Gedankenkarussell aussteigen kannst.

Gedankenkarussell stoppen | Modell

Phase 1: Aufdringlicher Gedanke

Salkovskis unterscheidet grundlegend zwischen zwei Arten von automatischen Gedankenprozessen. Der erste Prozess wird durch den ersten Kreis im Schaubild symbolisiert.

Dieser steht für Phase 1, die aufdringlichen Gedanken. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass die aufdringlichen Gedanken (zum Beispiel “habe ich den richtigen Partner für mich gefunden?”) zu den ganz normalen Gedanken gehören, deren Entstehung man gar nicht beeinflussen kann.

Phase 2: Bewertung des Gedankens

Der zweite Kreis im Schaubild erklärt den zweiten automatischen Gedankenprozess. Der aufdringliche Gedanke wird hier in Phase 2 automatisch negativ bewertet.

Der entscheidende Punkt ist, dass du deine negative Bewertung der aufdringlichen Gedanken sehr wohl beeinflussen kannst! Es könnte sein, dass auf den Gedanken “Ich zweifle an meiner Beziehung” direkt eine negative Bewertung folgt: “Oh je, so was darf ich aber nicht denken, das ist ja schrecklich! Dann bin ich ja ein*e schlechte*r Freund*in. Wenn ich so etwas denke, liebe ich meine*n Partner*in nicht genug! Bin ich beziehungsfähig?”.

Diese negativen Bewertungen entstehen spontan, sie sagen erst einmal gar nichts über die Qualität deiner Beziehung aus. Sie sind ein Ausdruck deiner negativen Glaubenssätze. Diese verraten dir etwas über zu grunde liegende Überzeugungen in deinem Unterbewusstsein, die meistens in deinem Familiensystem wurzeln.

Phase 3: Unbehagen

Wie du dir vorstellen kannst, lösen solche negativen Bewertungen oft Trauer oder Angst aus. Dieses “Unbehagen” spiegelt sich in der Graphik im dritten Kreis als Phase 3 wider.

Phase 4: Kurzfristig helfendes Ritual

In Phase 4 zeigst du unbewusst ein Verhalten, das diese negativen Emotionen (für kurze Zeit) neutralisiert. So könntest du dich in unserem Beispiel rückversichern bei deinem*r Partner*in und ihn/sie fragen: “Bin ich eine gute*r Freund*in?” Bei einer positiven Antwort verflüchtigen sich kurzfristig deine Ängste. Dein Selbstbewusstsein wird gestärkt.

Die Gedankenschleifen sind aber nicht langfristig gelöst. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder Ausgelöst werden. Durch ein neues Ereignis oder einen neuen Gedanken. Es gibt aber Möglichkeiten, dieses Karussell zu stoppen (mehr dazu im Kapitel “Gedankenkarussell stoppen: Methoden”).

Welche Rolle spielt Unsicherheitsintoleranz?

Hinter dem Begriff “Unsicherheitstoleranz” verbirgt sich die Frage: Wie gut kann ich damit umgehen, dass die Zukunft zu einem gewissen Grad ungewiss ist? Wer die Zukunft als eher “bedrohlich” wahrnimmt, wird häufiger von Grübeleien heimgesucht. Gelassenheit lernen wird dann zur wahren Mammutaufgabe.

Das bestätigen Studien: Menschen mit einer hohen Unsicherheitsintoleranz neigen eher dazu, sich zu sorgen. Das ständige Grübeln und die vielen Sorgen dienen uns als Schutzmechanismus. Wir bereiten uns innerlich auf alle Eventualitäten (auch sehr unwahrscheinliche) vor, um Unsicherheiten besser aushalten zu können.

Informationsverzerrung und “Schwarzmalerei”

In der Grundlagenforschung der Psychologie befasst man sich unter anderem damit, wie Menschen Informationen verarbeiten.  Menschen erschaffen sich eine Art eigene Realität, da sie Informationen aus der Umwelt unterschiedlich aufnehmen und verarbeiten.

Untersuchungen zeigen hier Parallelen zur Unsicherheitstoleranz: Grübler gehen tendenziell davon aus, dass ihnen in der Zukunft etwas Negatives widerfährt. Zudem interpretieren sie mehrdeutige Situationen eher als bedrohlich. Man könnte umgangssprachlich auch sagen: Wer häufig in die Grübelfalle tappt, neigt dazu, schwarz zu malen.

Wiederholungs­­­charakter der Sorgen

Wieso wiederholen sich die Sorgen immer wieder, obwohl die schlimmsten Befürchtungen meistens nicht eintreten? Im Grübelprozess sind so viele kognitive Kapazitäten ausgelastet, dass es zu einer Einschränkung der Aufnahme “korrektiver Informationen” kommt.

Was ist hier mit korrektiven Informationen gemeint?

Nehmen wir einmal an, deine Sorgen werden immer in bestimmten Situationen ausgelöst.

Beispielsweise antwortet dein Partner dir nicht auf deine Nachricht und du verfällst daraufhin in Grübeleien wie:

In diesem Modus der Sorgenketten kann dein Gehirn die “korrekten” Informationen weniger gut aufnehmen: Selbst wenn dein Partner dir erklärt, dass er beispielsweise gerade in einem Geschäftstermin war und nicht antworten konnte, wird dein Gehirn diese Information nicht in Ruhe aufnehmen können. Es ist zu sehr mit den Sorgen beschäftigt und die Sorgen stellen Blockaden dar.

Normalerweise lernst du durch positive Erfahrungen, dass viele deiner Sorgen unbegründet sind – und löst diese damit automatisch auf. Dieser selbstregulierende Prozess gestaltet sich während des aktiven Sorgenprozesses als schwierig. Du schaffst es dann einfach nicht, die andere Perspektive einzunehmen.

Daraus ergibt sich: Du musst zuerst aus dem Gedankenkarussell aussteigen, bevor du neue, gesündere Glaubenssätze entwickeln kannst.

Im nächsten Abschnitt lernst du effektive Methoden kennen, um das Gedankenkarussell zu stoppen.

Gedankenkarussell stoppen: 9 Methoden

Wenn du vom Gedankenkarussell geplagt bist, fragst du dich: Was kann ich tun, um ein negatives Gedankenkarussell zu stoppen, zu durchbrechen, anzuhalten, zu verhindern

Die gute Nachricht ist: Du bist nicht hilflos. Es gibt einige wirksame Instrumente, um kreisende Gedanken effektiv zu unterbrechen. Je mehr du diese Methoden übst, desto mehr helfen sie dir.

In den nächsten Punkten, gebe ich dir ein paar Methoden an die Hand, wie du das Gedankenkarussell stoppen kannst. Eine Soforthilfe gegen das Grübeln sozusagen. Es wird dir vielleicht nicht immer sofort gelingen, die volle Kontrolle über die Grübelschleife zu erlangen. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die mindestens eine der 9 Methoden sofort weiterhilft.

1. Alternativgedanken einsetzen

Schreibe deine alten Gedanken und eine alternative Sichtweise in die folgende Tabelle. Überlege anschließend, welche Vor- und Nachteile beide Gedanken haben. Dieses Tool stammt aus der kognitiven Verhaltenstherapie nach Beck.

Schreibe mindestens drei Gedanken mit passenden Alternativen auf.

Gedankenkarussell stoppen _ Alternativgedanken einsetzen

2. Schreib alles auf

Schreib dir deine negativen Gedanken von der Seele! Dass an dieser Redewendung (“sich etwas von der Seele reden”) etwas dran ist, zeigen viele Studien. Das Gesundheitsmagazin der Harvard-Universität beschreibt beispielsweise sehr eindrucksvoll, wie sich das “Niederschreiben” positiv auswirkt. So helfe das Niederschreiben der Gedanken dabei, negative Emotionen abzubauen. Du bringst den Gedankenkreislauf zum Stoppen, indem du buchstäblich “deine Gedanken zu Papier” bringst und “alles heraus lässt”.

Schreibe alle Gedanken auf, die in deinem Kopf kreisen und spüre bewusst, wie sich dein Kopf “entleert”. Stell dir vor, wie du deine Gedanken “ausschneidest” und auf dem Papier “einfügst”. Dein Kopf leert sich, der Grübelzwang lässt nach – dein Geist entspannt sich. Diese Übung eignet sich besonders gut, wenn deine Gedanken gerade mal wieder (scheinbar) unaufhörlich Kreisen.

3. Das Problem verschieben

Was ist eigentlich das Schlimme an den Grübeleien? Was ist das eigentliche Problem? 

Schau dir noch einmal ganz genau an, in welche Arten von Denkschleifen du schnell hinein gerätst? Es könnten zum Beispiel Gedanken sein, die dich an deinem Selbstwert zweifeln lassen –  „Niemand liebt mich!“.

Mit ein bisschen Abstand fragst du dich jetzt, wie wahrscheinlich es auf einer Skala von 0 bis 10 ist, dass dich wirklich niemand liebt. Den meisten Menschen fällt hier schon auf, dass dieser Gedanke, der sich dir aufdrängt, wohl nicht zu 100% stimmt.

Das eigentliche Problem ist also nicht das Grübeln an sich beziehungsweise die Gedanken an sich, da sie meistens keinen absoluten Wahrheitsgehalt besitzen. Es geht um die negativen Emotionen, die mit dem Grübeln zusammenhängen.

Du hast Angst vor der nächsten Gedankenspirale oder dem Gefühl, dass du dich wie gefangen in deinem eigenen Geist fühlst?

Der erste Schritt der Erkenntnis ist also, dass das Problem nicht die Gedanken an sich sind, sondern, dass du diese katastrophisierst! Wage einen Perspektivwechsel. Schreibe einmal alles auf, was dagegen sprechen könnte, dass deine Wahrnehmung nicht stimmt.

4. Stille üben

Neigst du dazu, dich abzulenken? Wann hast du das letzte Mal eine Minute in Stille verbracht?

Der erste Schritt auf dem Weg zu einem größeren Bewusstsein über deine Gedanken ist,  Ruhe und Entspannung in dein Leben einzuladen. Diese Übung absolvierst du am besten tagsüber und nicht nachts, wenn du gerade wach liegst.

Eliminiere alle Ablenkungen und richte deine Aufmerksamkeit weder auf die Zukunft, noch auf die Vergangenheit: Komm an im Hier und Jetzt. Stelle deinen Handy-Timer auf zwei Minuten und verbringe diese nur mit dir selbst in Stille. 

Tipp: Lenke deinen Fokus und deine Aufmerksamkeit während der zwei Minuten immer wieder auf deine Atmung zurück. Versuche hier, liebevoll mit dir selbst zu sein.

Wenn du dich darüber hinaus für Meditation interessierst, dann probier gerne meine Meditation für Anfänger aus (im Beitrag gibt es einen kostenlosen Mini-Meditationskurs für dich).

5. Einschlafmeditation absolvieren

Laut Studienlage hilft Achtsamkeitstraining dabei, sich weniger mit den eigenen Gedanken zu identifizieren. Durch Achtsamkeitspraxis wirst du dir immer mehr der nicht-bewertenden Beobachterposition deiner Gedanken gewahr.

Außerdem steigt durch Achtsamkeitstraining deine Fähigkeit, Gedanken loszulassen. Ich lade dich hier zu meiner Einschlafmeditation ein, mit der du gut einschläfst und wunderbar aufwachst.

Tipp: Schaue eine Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr auf dein Handy. Wenn dir das unmöglich erscheint, solltest du einen Social Media Detox in Erwägung ziehen.

Oder Folge hier herunterladen

6. Sei aufmerksam nach “außen”

Eine weitere Technik zum Ausstieg aus dem Gedankenkarussell ist die Strategie, die Aufmerksamkeit weg von den Gedanken ins „Außen“ zu lenken. Diese stammt aus der Therapie-Methode der „Behavioralen Aktivierung“, welche der Verhaltenstherapie angehört.

Du fokussierst zum Beispiel die Kleidung deines Gegenüber oder beschäftigst dich damit, was für Geräusche du wahrnimmst oder ob du gerade bequem sitzt – und so weiter.

Jede Frage, die die Aufmerksamkeit weg von den Grübelprozessen hin zum tatsächlichen Erleben im Hier und Jetzt bringt, ist willkommen. Schlussendlich ist dies auch eine Form von Achtsamkeitstraining.

7. Mantra: „Alles wird gut.“

Redest du manchmal mit dir selbst? Ich glaube, das machen wir alle mal. Wie wäre es, wenn du dir für den nächsten Monat ein Mantra aussuchst, das deinem Grübeln entgegenwirkt?

Vielleicht so etwas wie: „Ich bin wertvoll!“ oder „Ich bin geliebt!“. Suche dir dein ganz persönliches Mantra aus und schreibe es auf. Dann wiederhole es gedanklich oder laut so oft du magst, am besten mehrmals am Tag.

So ein Ritual kann dein Selbstbewusstsein nachhaltig stärken und gedankliche Blockaden lösen! Lies außerdem auch gerne auf meinem Blog weiter, wie du Selbstliebe lernen kannst.

8. Nimm automatische Gedanken wahr

Auslöser für problematische, automatische Gedanken können bestimmte äußere Ereignisse wie das Erhalten einer WhatsApp-Nachricht sein – oder ein Missverständnis bei der Arbeit.

Auch innere Ereignisse wie eine plötzlich einschießende Erinnerung an gemeinsam verbrachte Zeiten mit einer verflossenen Liebe: Vielleicht grübelst du dann, ob es richtig war, den Kontakt abzubrechen?

Nimm einmal Zettel und Stift zur Hand und mache die Übung für dich selbst!

In welchen Situationen sind die problematischen automatischen Gedanken bei dir aufgetreten?

Du wirst merken, dass bestimmte Gedanken in bestimmten Situationen immer wieder auftauchen. Was sind bei dir typische problematische Gedanken, die immer wieder auftreten?

9. Sage laut STOPP

Dich sucht wieder eine Grübelattacke heim? Dann unterbrich den automatischen negativen Gedankenstrom, indem du laut “STOPP!” sagst!  Diese Technik wird der Verhaltenstherapie zugeordnet und ist bereits seit den 1950er Jahren empirisch gut untersucht.

Die Idee dahinter ist, dass du dein Gehirn selbst konditionieren kannst. Je mehr du diese Methode anwendest, desto leichter fällt dir der Ausstieg aus dem Gedankenkarussell. 

Übung macht den Meister!

BONUS: Podcast-Folge

Oder Folge hier herunterladen

Fazit

“Neurons that fire together wire together!” (auf deutsch: Neuronen, die zusammen feuern, vernetzen sich auch miteinander). Diese sogenannte Hebbsche Lernregel aus der Neurowissenschaft bedeutet übersetzt: Je öfter wir verschiedene Nervenstränge zum Beispiel auch durch Gedanken gemeinsam aktivieren, desto leichter wird es, dass diese Nervenzellen gemeinsam feuern.

Dies ist der Grund, warum die oben beschriebenen Methoden so kraftvoll sind. Es ist aber auch der Grund, warum es wichtig ist, diese Methoden regelmäßig zu praktizieren beziehungsweise zu üben.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass wir Verhaltensweisen erlernen und auch wieder verlernen können. Das sind gute Nachrichten – bedeutet es doch, dass niemand ein Leben lang “Grübler” bleiben muss. Zu den Verhaltensweisen gehören nämlich auch sogenannte Denkstrukturen (also das Grübeln).

Umso wichtiger ist es, dass wir aus unseren gewohnten Gedankenkreisen und vor allem aus deren negativen Bewertungen ausbrechen. Wir können aus diesen automatischen Gedanken viel über unsere grundlegenden Überzeugungen lernen, hier konkret ansetzen – und Neubewertungen vornehmen.
Mit den obigen Praxistipps hast du hilfreiche Werkzeuge an die Hand bekommen, um schneller wieder aus der Grübelfalle zu kommen. Je öfter du diese praktizierst, desto leichter wird es dir zukünftig fallen, den Schritt aus der Grübelfalle zu tätigen – und deinen Geist zu entspannen.

Häufige Fragen

Was ist ein Gedankankarussell?

Ein Gedankenkarussell besteht aus sich wiederholenden, aufdrängenden, automatischen Gedanken. Das Grübeln hält dabei oft stundenlang an. Es hält Betroffene zum Beispiel vom Einschlafen ab und kann sich so negativ auf die Lebensqualität auswirken. Wer regelmäßig in die Grübelfalle tappt, sollte dies nicht einfach ignorieren.

Wie stoppe ich ein Gedankenkarussell?

Die gute Nachricht ist: Betroffene sind nicht völlig hilflos, es gibt wirksame Strategien gegen die Grübelattacken. Beispielsweise kann es bei einer akuten Gedankenschleife helfen, alle Gedanken aufzuschreiben, um diese gewissermaßen „aus dem Kopf zu spülen“.

<a href="https://chrisbloom.de/author/chris/" target="_self">Chris Bloom</a>

Chris Bloom

Ich bin Chris Bloom – Systemischer Therapeut i.A., Gesundheitsökonom (M. Sc.), Autor, Podcaster, Speaker und Coach. Unsere Gedanken und die richtige innere Haltung empowern uns, unser Leben nach unseren Wünschen zu kreieren. Das Fundament hierfür bilden die drei Säulen: Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis. Diese sind für uns individuell erlernbar – wie das Einmaleins in der Schule. Ich helfe dir dabei, dieses Fundament zu schaffen – damit du das Leben leben kannst, das du dir wünscht. Infos zu meiner Vita und Vision: Wer ist Chris Bloom?

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