Situationship: Was verbirgt sich hinter dem Dating-Trend?

von | Stand: 23. Sep 2022 | Veröffentlicht: 21. Sep 2022

Eine Situationship sieht von außen aus wie eine Beziehung – ihr fehlt allerdings ein entscheidendes Merkmal von echten Partnerschaften.

30-Sekunden-Zusammenfassung

  • Eine Situationship ist eine auf unbestimmte Zeit ausgelegte Beziehung – ohne Verpflichtungen oder Verantwortung.
  • Im Gegensatz zu “Friends with Benefits” gibt es in Situationships oftmals eine emotionale und romantische Beziehungsebene.
  • Manche Menschen genießen es, in einer Situationship zu sein, für andere bedeutet diese unsichere Verbindung mentalen und emotionalen Stress.
  • Wer sich in einer Situationship nicht wohlfühlt, muss gesunde Grenzen setzen, für die eigenen Bedürfnisse einstehen – und transparent kommunizieren.

Was bedeutet Situationship?

Du hast jemanden kennengelernt. Ihr verbringt viel Zeit miteinander und es ist klar, dass ihr Gefühle füreinander entwickelt habt. Vielleicht seid ihr auch schon intim miteinander geworden. Nur eines ist noch nicht geschehen: Ihr habt noch nicht darüber gesprochen, was “das” mit euch eigentlich genau ist.

So geht es dir gerade? Dann befindest du dich womöglich in einer Situationship. Auf den Punkt gebracht: Eine Situationship ist eine Beziehung ohne Verpflichtungen. Beide Partner:innen verhalten sich praktisch wie in einer Beziehung, nur das “Label” einer Partnerschaft fehlt.

Situationship

Der Begriff der Situationship fällt nicht ohne Grund häufig in der Diskussion um das Thema Beziehungsfähigkeit. Die Anzahl an losen Verbindungen ohne Verpflichtungen und mit offenem Ende hat in den letzten Jahren zugenommen.

Dating-Phänomene wie Bindungsangst und Verlustangst haben Hochkonjunktur. Einige Wissenschaftler:innen gehen sogar davon aus, dass Online-Dating einen negativen Einfluss auf die mentale Gesundheit hat.

Unterschied zwischen Situationship und “Friends with Benefits”

Worin genau besteht der Unterschied zwischen einer Situationship und einem Freund oder einer Freundin mit gewissen Vorzügen?

Friends with Benefits beschreibt eine Situation, in der beide Seiten eine freundschaftliche Beziehung pflegen – mit körperlicher Intimität.

Eine Situationship hingegen enthält eine sowohl körperliche als auch emotionale Verbindung – ohne diese “Beziehung” zu nennen.

Anzeichen: Bin ich in einer Situationship?

Fast alle Betroffenen fragen sich irgendwann: Wie erkenne ich eigentlich, dass ich mich gerade in einer Situationship befinde? Es gibt klare Anzeichen und Charakteristika.

  • Der Beziehungsstatus ist nicht definiert: Beide Seiten verhalten sich wie Beziehungspartner:innen, haben aber noch nicht über den Status der “Partnerschaft” gesprochen. Wenn sich die Verbindung im Alltag wie eine Beziehung anfühlt, aber noch nicht als solche bezeichnet wurde, ist das ein Anzeichen für eine Situationship.
  • Keine Grenzen kommuniziert: Ihr habt noch nicht über eure Bedürfnisse und Grenzen gesprochen – darüber, was ihr vom Gegenüber erwartet? Ein typisches Charakteristikum für eine Situationship.
  • Unsicherheit: Die fehlende Verbindlichkeit führt dazu, dass sich mindestens eine Seite unsicher fühlt. Das Verhalten des Gegenübers wird dahingehend analysiert, ob es Indizien für oder gegen eine Beziehung gibt. Weil es kein offizielles Commitment gibt, bleibt eine Atmosphäre der Unsicherheit.
  • Oberflächliche Verbindung: Weil beide Seiten nicht zu 100 % wissen, ob das Gegenüber bereit für eine feste Partnerschaft ist, kann keine tiefe Verbindung entstehen. Das Risiko einer Enttäuschung ist zu groß.
  • Geringe Priorität: Alle Vorteile einer Beziehung, aber keine Verantwortung. Was zu schön klingt, um wahr zu sein, hat auch seine Schattenseiten: In einer Situationship übernehmen beide Seiten keine Verantwortung für das Gegenüber. Wenn ein Treffen kurzfristig abgesagt oder eine Nachricht lange nicht beantwortet wird, darf sich niemand beschweren. Allerdings besteht die große Gefahr, dass mindestens eine Seite infolge des geringen Commitments emotionalen Schaden nimmt.
  • Nicht exklusiv: Ein häufiges Phänomen in Situationships ist, dass eine Seite nebenbei noch andere Dates hat – ähnlich einer offenen Beziehung. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass keine Gefühle im Spiel sind. 
  • Inner Circle: In Situationships kommt es häufig zu der Situation, dass sich beide Partner:innen wie in einer normalen Beziehung verhalten, mit einer großen Ausnahme: Sie lassen den oder die andere:n nicht in ihren “Inner Circle” – stellen ihm oder ihr also nicht ihre engsten Freund:innen oder gar Familie vor.

Vor- und Nachteile einer Situationship

Obwohl sich manche Menschen in dieser Form einer “unverbindlichen Beziehung” wohlfühlen, gibt es einige Nachteile und Probleme, die mit einer Situationship einhergehen können.

Vorteile

Einige Menschen genießen die Kombination aus Nähe und fehlender Verantwortung, die eine Situationship ermöglicht.

Eine Beziehung ohne Verpflichtungen – für manche Menschen kann dies in bestimmten Phasen ihres Lebens eine verlockende Option sein.

Insbesondere für Personen, die auf der Suche nach einer emotionalen und körperlichen Verbindung sind, aber nicht die Bereitschaft mitbringen, sich auf einen Menschen zu “committen”, ist die Situationship eine reizvolle Alternative.

Nachteile

Der wohl größte Nachteil besteht darin, dass sich die Erwartungen beider “Partner:innen” unterscheiden können.

Die typische Entwicklung sieht so aus: Womöglich standen beide Seiten am Anfang der Situationship emotional noch an einem ähnlichen Punkt, allerdings hat die eine Seite tiefe Gefühle entwickelt – und möchte jetzt eine echte Beziehung. Inklusive Verantwortung, Exklusivität und Verbindlichkeit.

So birgen Situationships die Gefahr, sich emotional in einer Beziehung zu verrennen, die gar keine echte Beziehung ist. Und sich auf einen Menschen einzulassen, der keine tiefe Beziehung möchte.

Die Folge: Enttäuschung und emotionale Verletzung.

Sind Situationships gefährlich für die mentale Gesundheit?

Wir wissen aus der psychologischen Forschung, dass ein unerfülltes Bedürfnis nach emotionaler Intimität starke Mangelgefühle auslösen kann. Das gilt insbesondere für Beziehungen, die eine starke körperliche Ausprägung haben.

Der mentale Stress entsteht, weil Betroffene das Mangelgefühl und ihre wahren Bedürfnisse nicht ehrlich kommunizieren. Statt ihre Emotionen mitzuteilen, unterdrücken sie diese, um die andere Person bei sich zu halten.

In einer Situationship fehlt meist die Vertrauensebene, um Bedürfnisse klar kommunizieren zu können. Wenn Menschen ihre Bedürfnisse jedoch unterdrücken, kann sich das negativ auf die mentale Gesundheit auswirken.

Wer in einer Situationship “gefangen” ist und dem Gegenüber die wahren Emotionen nicht kommuniziert, läuft deshalb Gefahr, unter mentalem Stress zu leiden. Laut Psycholog:innen gehört die Variable “unsichere Verbindung” zu den Risikofaktoren, die die emotionale Gesundheit besonders negativ beeinflussen können.

Das bedeutet: Empfinden Menschen eine Beziehung als unsicher, kann sich das negativ auf die emotionale Gesundheit auswirken.

Ich bin in einer Situationship – was tun?

Du hast das Gefühl, dass du dich gerade in einer Situationship befindest – und du fragst dich, wie du jetzt am besten reagierst? Die folgenden Tipps helfen dir insbesondere dann, wenn du mit der Situation nicht zufrieden oder gar unglücklich verliebt bist.

Bitte lies dir die folgenden Situationship-Tipps genau durch:

  • Ehrliche Kommunikation: Wenn du unter der Situation(ship) leidest, ist der beste Weg, das offene Gespräch zu suchen. Jede Klarheit ist besser, als eine andauernde Enttäuschung. Wenn du deine Gefühle zum Ausdruck bringst und deine Bedürfnisse mitteilst, besteht natürlich die Gefahr der Ablehnung. Die Alternative wäre jedoch, in der Ungewissheit zu verharren – und das ist potenziell schädlich für deine emotionale Gesundheit.
  • Grenzen setzen: In Partnerschaften ist es grundsätzlich wichtig, Grenzen setzen zu können. Das gilt insbesondere für unsichere beziehungsweise unklare Verbindungen, also auch für Situationships. Denn: Wenn du Grenzen setzt, schützt du dich vor Energieräubern – dazu gehören zum Beispiel unzuverlässige Partner:innen oder Menschen, die dich ausnutzen.

Fazit

Eine Situationship ist eine lockere Beziehung ohne Verpflichtungen. Manche Menschen suchen genau das, andere leiden unter solch unsicheren Verbindungen.

Probleme treten meist dann auf, wenn beide Partner:innen nicht mehr synchron in puncto Erwartungshaltung sind. Es passiert leider häufig, dass Gefühle einseitig entstehen. Wer unter einer Situationship leidet, muss deshalb gesunde Grenzen setzen – ansonsten droht die Gefahr, im Zuge dieser unsicheren Verbindung emotionalen Schaden zu nehmen.

Die manchmal unbequeme, aber fast immer notwendige Lösung lautet deshalb: Kommunikation. Nur über das offene Gespräch lassen sich unterschiedliche Erwartungshaltungen in der Situationship aufdecken.

Auch wenn es bedeuten kann, eine Enttäuschung zu erfahren, führt langfristig kein Weg an einer transparenten Kommunikation vorbei. Vergiss nicht: Gib dich und deine Bedürfnisse nicht auf, um einen Menschen zu halten, für den du nur optional bist.

Du interessierst dich für mein Coaching? In 12 Wochen zu mehr Klarheit und Ruhe 👉 Jetzt die Heartset Journey entdecken.

<a href="https://chrisbloom.de/author/chris/" target="_self">Chris Bloom</a>

Chris Bloom

Ich bin Chris Bloom – Systemischer Therapeut, Gesundheitsökonom (M. Sc.), Autor, Podcaster, Speaker und Coach. Unsere Gedanken und die richtige innere Haltung empowern uns, unser Leben nach unseren Wünschen zu kreieren. Das Fundament hierfür bilden die drei Säulen: Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis. Diese sind für uns individuell erlernbar – wie das Einmaleins in der Schule. Ich helfe dir dabei, dieses Fundament zu schaffen – damit du das Leben leben kannst, das du dir wünscht. Infos zu meiner Vita und Vision: Wer ist Chris Bloom?

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

0%