Gegensätze ziehen sich an? Worauf es bei der Partnerwahl wirklich ankommt

von | Stand: 18. Dez 2023

Warum du die Redewendung “Gegensätze ziehen sich an” mit Vorsicht genießen solltest und worauf es bei der Partnersuche wirklich ankommt – das erfährst du in diesem Beitrag.

30-Sekunden Zusammenfassung

  • Die Redewendung “Gegensätze ziehen sich an“ besagt, dass sich sehr unterschiedliche Menschen ganz besonders zueinander hingezogen fühlen.
  • Erkenntnisse aus der Wissenschaft deuten allerdings darauf hin, dass Ähnlichkeiten zwischen Partner:innen einen positiveren Effekt auf eine Bindung haben als Gegensätze.
  • Als wichtige Bindungsfaktoren gelten beispielsweise ähnliche Persönlichkeitseigenschaften, die gleiche politische Einstellung sowie übereinstimmende Gewohnheiten.
  • Für die Partnersuche gilt also eher die Redewendung: “Gleich und gleich gesellt sich gern.”

Was bedeutet das Sprichwort “Gegensätze ziehen sich an”?

Das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“ suggeriert, dass du dich eher verliebst und eine romantische Beziehung eingehst, wenn dein Gegenüber dir unähnlich ist.

Die Anziehungskraft zwischen zwei Menschen sei demzufolge umso stärker, je unterschiedlicher sie sind. Die Logik dahinter: Durch die Unterschiede seien die Partner:innen komplementär – sie ergänzen sich.

Die Parallele zur Physik liegt auf der Hand – unterschiedlich geladene Pole eines Magneten werden von einer unsichtbaren Kraft angezogen. Doch gilt dieses Prinzip auch für die Welt der romantischen Beziehungen?


Höre dir gerne meine Podcastfolge passend zum Thema an: “Wer passt zu mir? Warum ‘Gegensätze ziehen sich an’ ein Mythos ist”.

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Was sagt die Wissenschaft?

Grundsätzlich ist die Frage nach dem richtigen Partner oder der richtigen Partnerin sehr individuell zu beantworten. Es gibt kein Patentrezept, um den oder die Richtige:n zu finden.

Allerdings gibt die Wissenschaft eine recht eindeutige Antwort darauf, ob man dem Sprichwort “Gegensätze ziehen sich an” Glauben schenken kann.

PRO: Gegensätze ziehen sich an

In der Kennenlernphase kann eine Person, die komplett anders tickt als du, mysteriös, spannend und attraktiv wirken.

Doch erweisen sich diese Gegenteile auch in späteren Phasen einer Beziehung als verbindend?

Aus wissenschaftlicher Sicht sprechen insgesamt relativ wenig Befunde dafür, dass eine Beziehung mit Gegensätzen langfristig stabil bleibt.

Dennoch findest du in diesem Abschnitt die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse, die das Sprichwort unterstützen:

  • Wie Unterschiede auf lange Sicht die Partnerschaft bereichern können
  • Welche Argumente aus der Wissenschaft die gegensätzliche Hypothese “Gleich und gleich gesellt sich gern” entkräften

Selbstwertgefühl

Laut Psycholog:innen sind Paare mit sehr unterschiedlich ausgeprägten Talenten vor allem dann sehr zufrieden, wenn sie sich als Team verstehen

Ganz nach dem Motto “Gemeinsam sind wir stark” überlassen Partner:innen einander unterschiedliche Fähigkeitsbereiche – wie zum Beispiel das Handwerken oder die Kreativität.

Sie vergleichen sich nicht im Sinne eines Konkurrenzkampfes, sondern bilden ein Wir-Gefühl, aus dem heraus sie Probleme gemeinsam lösen.

Das Teamgefühl wirkt sich wiederum positiv auf das individuelle Selbstbewusstsein beider Partner:innen aus. Dein Selbstwertgefühl überträgt sich in der Beziehung mit Gegensätzen also auf dein Gegenüber – und andersherum.

Dieser Mechanismus konnte vor allem in intimen Beziehungen gefunden werden – nicht allerdings zwischen Fremden.

Er schützt deine Beziehung und hilft dir, dich auch in einer Beziehung mit Gegensätzen mit deinem Gegenüber sehr verbunden zu fühlen.

Arbeitsteilung

Verfolgen Paare gemeinsam Ziele und verwirklichen Pläne, können sich unterschiedliche Partner:innen in ihrer Arbeitsteilung sehr gut ergänzen – Psycholog:innen sprechen von komplementären Partner:innen.

Entsprechende Studien zeigen, dass eine gelingende Arbeitsteilung zu einer insgesamt höheren Beziehungszufriedenheit führen kann.

Erfüllte Sexualität

Eine erfüllte Sexualität ist ein wichtiger Faktor für die Beziehungszufriedenheit und die Langlebigkeit einer Beziehung. Doch müssen die Partner:innen dafür gleich ticken – das heißt vor allem, eine gleich hohe Libido haben?

Nein! Laut Psycholog:innen ist eine höhere Libido zwar förderlich für eine erfüllte Sexualität – entscheidend ist jedoch die Fähigkeit, unterschiedliche Bedürfnisse konstruktiv zu kommunizieren.

Unterschiedliche Attraktivität

Anhänger der Hypothese “Gleich und gleich gesellt sich gern” argumentieren, dass ähnlich attraktive Personen eher zueinander finden als Partner:innen mit einem großen Unterschied in ihrer Attraktivität.

Die psychologische Forschung entkräftet dieses Argument allerdings: Wenn Paare sich vor Beziehungsanfang länger als 9 Monate kennen, spielt das gleiche Attraktivitätslevel bei der Partnerwahl keine Rolle mehr.

In anderen Worten: Wenn sich aus einer guten Freundschaft eine Partnerschaft entwickelt, rücken äußerliche Attribute in den Hintergrund.

CONTRA: Gegensätze ziehen sich an

Gegen eine Beziehung mit Gegensätzen sprechen die Ergebnisse einer groß angelegten, aktuellen Metaanalyse.

Gut zu wissen

„Bei einer Metaanalyse analysieren Forscher:innen die Ergebnisse aus sehr vielen Studien und fassen die bestehenden Ergebnisse in einer neuen Metastudie zusammen. „

Grundsätzlich stützen die Ergebnisse der Metaanalyse eher die Redewendung: “Gleich und gleich gesellt sich gern”.

Denn: Unter Gleichgesinnten fühlen sich Menschen verstanden und akzeptiert –  eine solide Basis für eine gesunde Beziehung.

Psycholog:innen untersuchten, inwiefern Paare hinsichtlich verschiedener Merkmale eher ähnlich oder unähnlich sind. Das Ergebnis: Paare sind sich über alle untersuchten Merkmale hinweg eher ähnlich als unähnlich.

Contra_Gegensätze ziehen sich an

Die höchsten Übereinstimmungen zeigen Paare in folgenden Bereichen:

Alter

Paare gleichen Alters finden aus verschiedenen Gründen oft zueinander:

  • Gemeinsame Lebensphase: Im gleichen Alter erlebst du ähnliche Herausforderungen und Meilensteine wie dein:e Partner:in – zum Beispiel den Einstieg ins Berufsleben. Ihr könnt euch gegenseitig unterstützen.
  • Ähnliche Lebenserfahrung: Partner:innen mit gleicher Lebenserfahrung haben wahrscheinlich ähnliche Höhen und Tiefen durchlaufen. Du kannst dich besser in die Gedanken und Gefühle des Gegenübers hineinversetzen – und andersherum.
  • Sozialisation: Die Zugehörigkeit zur gleichen Generation (zum Beispiel “Millenials”) als Paar bedeutet, den gleichen kulturellen und historischen Hintergrund zu teilen. Das bietet eine gemeinsame Grundlage für Gespräche und gegenseitiges Verständnis.

Religiöse und politische Einstellungen

Vor allem wenn es um politische und religiöse Einstellungen geht, gilt laut Wissenschaft: “Gleich und gleich gesellt sich gern.”

Damit ist eine positive oder negative Haltung gegenüber einer Idee (zum Beispiel Religion), Sache oder Person gemeint. 

Schließlich beeinflusst eine Einstellung das Verhalten. Beispielsweise kann eine religiöse Einstellung dazu führen, dass ein Mensch seinen Tag nach Gebetszeiten strukturiert – oder eben einmal in der Woche am Sonntag in die Kirche geht.

Diese gemeinsamen Prioritäten im Alltag erleichtern Paaren das Zusammenleben und die Planung.

Außerdem bilden gemeinsame politische und religiöse Einstellungen eine wertvolle Basis für eine tiefe emotionale Verbundenheit: Als Partner:in verstehst du dein Gegenüber besser. 

Er oder sie fühlt sich von dir im eigenen Denken und Handeln unterstützt.

Tipp für die Partnersuche: Geh offen und ehrlich mit deinen politischen und religiösen Überzeugungen um, wenn du jemanden kennenlernst.

Bildung

Überdurchschnittlich häufig finden sich Paare, die einen ähnlichen Bildungsgrad teilen:

  • Haupt- oder Realschulabschluss, 
  • Abitur, 
  • Ausbildung, 
  • Studium, 
  • Promotion 
  • oder Ähnliches.

Gründe, die für einen ähnlichen Bildungsgrad in romantischen Beziehungen sprechen, können folgende sein:

  • Gemeinsame Ziele: Partner:innen mit einem ähnlichen Bildungsgrad teilen vergleichbare berufliche Entwicklungsperspektiven: Diese tragen dazu bei, dass dein:e Partnerin und du gemeinsame Ziele und Pläne für die Zukunft entwickelt.
  • Soziale Kreise: Ausbildungsstätten wie ein Berufskolleg, die Uni oder andere Institutionen sind Orte, wo lebenslange Freundschaften entstehen. Haben beide Partner:innen beispielsweise ein Studium abgeschlossen, können sie sich schneller in den Freundeskreis des Gegenübers integrieren – da sie einen ähnlichen Erfahrungshintergrund teilen.
  • Konfliktlösung: In Beziehungen ist die Fähigkeit zur Konfliktlösung sehr wichtig. Partner:innen mit ähnlichem Bildungsgrad könnten aufgrund ihrer ähnlichen Denk- und Problemlösungsfähigkeiten besser in der Lage sein, Streitsituationen auf eine konstruktive Weise zu lösen.

Tipp für die Partnersuche: Wenn berufliche Entwicklung und Ziele für dich entscheidend sind, suche nach Partner:innen, die ähnliche Ambitionen haben.

Gewohnheiten

Paare, die ähnliche Gewohnheiten pflegen, finden eher zueinander – dazu gehört beispielsweise das Rauchen.

Überdurchschnittlich häufig sind in romantischen Beziehungen beide Partner:innen Raucher:innen (oder das Gegenteil: Nicht-Raucher). Auch die Anzahl der Zigaretten pro Tag ist meist ähnlich.

Dieser ähnliche Lebensstil stärkt die Beziehung: 

  • Gemeinsame Einstellungen, wie “Rauchen ist eine Form der Entspannung” oder “Rauchen als sozialer Akt” wirken verbindend.
  • Akzeptanz: Während Nicht-Raucher sich oft gestört fühlen, können Raucher:innen die Gewohnheit gut nachvollziehen, da sie sie selbst teilen.

Tipp für die Partnersuche: Wenn dir bestimmte Gewohnheiten wichtig sind, suche gezielt nach Menschen, die ähnliche Vorlieben haben.

Falls es sich um kontroverse Gewohnheiten handelt wie das Rauchen, übe dich in Akzeptanz und respektiere die Entscheidungen deines Partners oder deiner Partnerin – sofern dies für dich keine Grenze überschreitet.

Persönlichkeitseigenschaften

Die wohl spannendste Frage ist, ob dein Soulmate tendenziell eine ähnliche Persönlichkeit wie du hat. 

Überproportional häufig finden sich ähnliche Persönlichkeitstypen unter romantischen Partner:innen wieder. Die Studienlage spricht also auch diesbezüglich gegen die Annahme “Gegensätze ziehen sich an”.

Herangezogen wurden hierbei die 5 Persönlichkeitsdimensionen nach dem bekanntesten Persönlichkeitstest “Big Five” in der Psychologie.

Besonders im Persönlichkeitsmerkmal “Offenheit für Erfahrung” ähneln sich Partner:innen sehr häufig: Wenn beide Partner:innen einen Abenteuer- und Entdeckergeist teilen, können sie ihre Beziehung laut Forscher:innen auf lange Sicht lebendig halten. 

Sie teilen beispielsweise ähnliche Interessen wie Reisen oder inspirieren sich zu neuen Hobbies.

Interessant: Je mehr du davon überzeugt bist, dass du deinen Seelenverwandten gefunden hast, desto zufriedener bist du laut Psycholog:innen in deiner Beziehung. 

Das bedeutet, dass nicht nur die tatsächliche Ähnlichkeit zu deinem Partner oder deiner Partnerin ausschlaggebend ist, sondern auch die wahrgenommene Ähnlichkeit.

Tipp für die Partnersuche: Bevor du auf Partnersuche gehst, solltest du dich selbst gut kennen. Was macht deine Persönlichkeit aus? So findest du heraus, was dir in Beziehungen wichtig ist und kannst in der Kennenlernphase darauf achten.

Fazit

Wenn du auf der Suche nach einer langfristig stabilen Partnerschaft bist, könnte es sinnvoll sein, jemanden suchen, der dir ähnlich ist und deine Werte teilt. Darauf weisen zumindest wissenschaftliche Erkenntnisse hin.

Die Forschungsergebnisse widersprechen insgesamt eher der Hypothese “Gegensätze ziehen sich an.”

Vielmehr stützt die aktuelle psychologische Forschung das Sprichwort “Gleich und gleich gesellt sich gern”.

Wichtige Faktoren wie

  • gemeinsame Interessen, 
  • ähnliche Gewohnheiten, 
  • gleich viel Lebenserfahrung
  • und eine ähnliche Persönlichkeit

stärken die Verbundenheit in deiner Partnerschaft.

Sie fördern gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz – wichtige Grundpfeiler für eine gesunde Beziehung. 

Die Gemeinsamkeiten erleichtern außerdem die Gestaltung des Alltags und eine gemeinsame Zukunftsplanung

Allerdings weisen Forscher:innen darauf hin, dass auch die Lebensumstände einen großen Einfluss auf die Entwicklung von romantischen Beziehungen haben können:

  • Kinder,
  • Arbeit,
  • Wohnsituation,
  • oder Familie und Freunde.

Du solltest also neben der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen deinem Dating-Partner oder deiner Dating-Partnerin und dir auch die derzeitigen Lebensumstände im Blick behalten – und abwägen, wie kompatibel euer Alltag trotz aller Ähnlichkeiten ist.

Die Beziehungsdynamik verändert sich im Laufe der Zeit sowohl durch die Änderung der Lebensumstände als auch durch die Veränderung von persönlichen Interessen und Gewohnheiten.
Das Wichtigste in Beziehung ist es, sich immer wieder neu füreinander zu entscheiden: Finde gemeinsam mit deinem Gegenüber neue, konstruktive Lösungen, wenn sich eure Bedürfnisse ändern.

Über den Autor

Über den Autor

Chris Bloom ist Systemischer Therapeut, Autor, Podcaster und Speaker. Nach einem Studium der Gesundheits­ökonomie (M.Sc.) arbeitete Chris im Gesundheits­bereich. Seit 2017 ist Chris als Coach tätig und hat sich auf die Themen Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis spezialisiert.

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Chris Bloom

Ich bin Chris Bloom – Systemischer Therapeut, Gesundheitsökonom (M. Sc.), Autor, Podcaster, Speaker und Coach. Unsere Gedanken und die richtige innere Haltung empowern uns, unser Leben nach unseren Wünschen zu kreieren. Das Fundament hierfür bilden die drei Säulen: Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis. Diese sind für uns individuell erlernbar – wie das Einmaleins in der Schule. Ich helfe dir dabei, dieses Fundament zu schaffen – damit du das Leben leben kannst, das du dir wünscht. Infos zu meiner Vita und Vision: Wer ist Chris Bloom?

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