Kommt jemand mit Bindungsangst zurück? Woran du es erkennst und wie du bestmöglich reagierst

von | Stand: 12. Mrz 2023

Das ambivalente Bindungsmuster von Personen mit Bindungsangst kann dazu führen, dass sie nach einer Trennung wieder Nähe suchen. Erfahre jetzt, welcher Mechanismus sich dahinter verbirgt und wie du dich am besten verhältst.

Was bedeutet “Bindungsangst”?

Bindungsängstliche Partner:innen gehören – wie der Name schon sagt – zu den ängstlichen Beziehungstypen: Sie haben Angst, die eigene Freiheit in einer Liebesbeziehung zu verlieren.

Anders gesagt: Bindungsängstler befürchten, in einer festen Partnerschaft ihre Selbstbestimmung zugunsten der Liebesbeziehung aufzugeben.

Es handelt sich um die Angst, sich selbst zu verlieren. Betroffene beschreiben ihre Bindungsangst oftmals wie ein Labyrinth, in dem sie sich bei dem Versuch verirren, eine tiefere Beziehung aufzubauen.

Paradoxerweise gesellt sich zu dem Bedürfnis nach Freiheit eine tiefe Sehnsucht nach Verbundenheit. Gemäß der Bindungstheorie wurden Menschen mit unsicher-vermeidendem Bindungsstil in der Kindheit zurückgewiesen.


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Demnach fehlt ihnen das Urvertrauen (“Ich genüge.”) in einen zuverlässigen Partner oder eine Partnerin. Sie meiden die emotionale Nähe einer festen, intimen Beziehung, um sich vor Ablehnung zu schützen.

Diese zwei Herzen in der Brust des Bindungsängstlers können für das Gegenüber wiederum sehr schmerzhaft sein und zu Gefühlen von Einsamkeit und Ablehnung führen.

Eine typische Kurzschlussreaktion, wenn es ernst wird (beispielsweise bei Plänen für eine gemeinsame Wohnung, die Verlobung et cetera): Der bindungsängstliche Partner beendet die Beziehung.

Kurzfristig tritt Erleichterung ein, denn infolge der Trennung nimmt die Bindungsangst ab.

Warum kommt jemand mit Bindungsangst zurück?

Unglücklich verliebte Ex-Partner:innen von Bindungsängstlern hoffen oft nach der Trennung, dass es ein “Zurück” gibt.

Meist trennen sich Menschen mit Bindungsangst nämlich genau dann, wenn es für sicher Gebundene am schönsten ist: Die Beziehung scheint verbindlich zu werden.

Warum kommt jemand mit Bindungsangst zurück_

Diese Hoffnung ist oftmals nicht unbegründet. Tatsächlich ist das Ende der Beziehung nach der oft dramatischen Trennung nicht immer endgültig.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Menschen mit Bindungsangst nach einiger Zeit zurückkommen und ihren Partner zurückgewinnen wollen.

Psychologischer Mechanismus

Der psychologische Mechanismus hinter dem ambivalenten Beziehungsverhalten eines Bindungsängstlers entspricht einer Dysbalance zwischen den Bedürfnissen

  • „Autonomie“
  • und “Nähe”.

In Zeiten von Trennung schlägt das Bedürfnispendel des Bindungsängstlers in Richtung “Nähe”. Der Bindungsphobiker kommt zurück und will erneut eine Beziehung eingehen.

Warum das so ist: Der Bindungsängstler hat nach einiger Zeit alleine wieder das Gefühl, ein “freier Mensch zu sein”. Er hat sich während des Beziehungsaus seine Selbstbestimmung zurückerobert – diese hat ihm in der Beziehung gefehlt.

Das Gefühl von Freiheit fehlt bindungsängstlichen Menschen in Beziehungen meist, weil sie im tiefsten Inneren das Gefühl haben: “Wenn ich will, dass du mich liebst, muss ich deine Erwartungen erfüllen.”

Sie spüren innerhalb der Beziehung einen hohen Erwartungsdruck, sodass sie früher oder später ein Engegefühl entwickeln.

In der Beziehungspause weicht das Gefühl von Einengung dem von Freiheit und “Luft zum Atmen”.

Wenn Angst die Gefühlswelt nicht mehr dominiert und das Bedürfnis nach Autonomie gestillt ist, melden sich tiefer liegende Grundbedürfnisse: Bindung, Nähe und Zugehörigkeit.

Bindungsängstliche Menschen haben das Bedürfnis, sich liebesfähig und liebenswert zu erleben – und sicher gebunden zu sein. Dies steht jedoch mit ihrem inneren Drang zur Autonomie im Konflikt.

Es kommt zu einem Push-and-Pull-Phänomen: In der Beziehung stößt der Bindungsängstler den Partner oder die Partnerin von sich weg, während der Beziehungspause sucht er seine oder ihre Nähe auf.

Was sagt die Wissenschaft?

Es kann schwer zu verstehen sein, warum jemand, den du liebst und dem du vertraut hast, plötzlich geht und dich verlässt. Erkenntnisse aus der Wissenschaft können dir dabei helfen, zu verstehen, warum jemand mit Bindungsangst wieder zurückkommt.

Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit Bindungsangst eher dazu tendieren, stressige Situationen durch Vermeidung und Abwehr zu bewältigen, statt sich Unterstützung von anderen zu suchen.

Eine weitere Untersuchung untermauert diesen Befund: Es wurde gezeigt, dass Menschen mit unsicheren Bindungsstilen weniger Unterstützung suchen und geben und dass dies das Risiko von Konflikten in der Beziehung erhöht.

Außerdem betonen Forscher:innen, dass Menschen mit Bindungsangst emotional stärker auf Beziehungsprobleme und Herausforderungen reagieren und im Vergleich zu sicheren Bindungstypen schneller in einem Gedankenkarussell aus Angst und Sorge versinken.

Forschungsergebnisse legen nahe, dass Menschen mit Bindungsangst häufig ein ambivalentes Bindungsmuster aufweisen. Auf der einen Seite empfinden sie große Angst vor Nähe und Verpflichtungen innerhalb einer Liebesbeziehung, andererseits spüren sie eine starke Anziehungskraft zum Partner.

Diese Ambivalenz führt oft nach einer Trennung dazu, dass die bindungsängstliche Person zurückkommt. Die “Anziehungskraft” ist extrem stark. 

Weitere Gründe, warum bindungsängstliche Partner:innen zurückkommen, liegen laut Studien in der Angst vor Einsamkeit: Bindungsängstliche Menschen bleiben in Beziehungen oder kommen zurück, um ihre Angst vor Einsamkeit zu überwinden.

Schließlich kämpfen Bindungsängstler laut Forschung mehr als sicher gebundene Beziehungstypen mit Zukunftsängsten. Durch eine verbindliche Beziehung versprechen sie sich Zukunftssicherheit.

Dass jemand mit Bindungsangst nach einer Trennung wieder zurückkommt, ist in der psychologischen Forschung ein gut dokumentiertes Phänomen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen darüber hinaus, dass sich dieses Verhalten von bindungsängstlichen Menschen gut erklären lässt.

Die Frage für dich lautet: Wie kannst du auf dieses Verhalten bestmöglich reagieren?

Lohnt sich ein Neustart mit einem Bindungsängstler?

Bevor du dich auf eine kräftezehrende, toxische On-Off-Beziehung mit deinem Ex einlässt, solltest du Pro und Kontra abwägen. Lohnt sich ein Neustart mit einem Bindungsängstler für dich?

Pro: Wann ein Neustart sinnvoll sein kann

Die Frage, ob sich ein Neustart lohnt, ist sehr individuell: Es geht hier vor allem um deine mentale und emotionale Gesundheit. Diese sollte immer an erster Stelle stehen.

Wann lohnt sich ein Neustart mit einem Bindungsängstler

Denn: Wenn jemand mit Bindungsangst sich immer wieder trennt und nach einiger Zeit zurückkommt, kann sich eine ungesunde Dynamik entwickeln.

Veränderung ist möglich – aber nicht über Nacht

Wenn du genügend Geduld und Verständnis zeigst, gibst du der Beziehung eine Chance, sich zu entwickeln. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für einen Beziehungsneustart.

Klare und realistische Erwartungen 

Kommuniziere vor dem Neubeginn deine Erwartungen an die Beziehung klar. Dies hilft deinem Gegenüber, den eigenen Performance-Druck herunterzuschrauben. Dir hilft es, Enttäuschungen vorzubeugen.

Dabei kannst du beispielsweise auf die Art und Häufigkeit der Kommunikation, die Intimität und körperliche Nähe oder gemeinsame Zukunftspläne eingehen.

Nichts ist in Stein gemeißelt: Sprecht immer wieder über Beziehungserwartungen. Flexibilität ist hier das Zauberwort.

Selbstliebe

Durch Selbstliebe erleidest du weniger Verletzungen in der Beziehung: Die Bindungsangst deines Gegenübers wirst du nicht länger als Ablehnung deiner Person interpretieren.

Ausreichend Selbstliebe bildet das beste Fundament, auf dem du stabile Beziehungen aufbauen kannst.

Wenn du von einer Liebe von außen “abhängig” bist, läufst du Gefahr, in emotional ungesunden Partnerschaften zu verharren – und dich aus Angst vor dem Beziehungsende anzupassen.

Absolviere zum Beispiel ein Selbstliebe-Coaching, um deine eigenen Bedürfnisse und Gefühle besser zu verstehen.

Gesunde Grenzen

Eine Beziehung mit einer Person mit Bindungsangst erneut aufzunehmen, lohnt sich erst, wenn du gelernt hast, gesunde Grenzen zu setzen. In anderen Worten: Lerne, gut für deine eigene emotionale und mentale Gesundheit zu sorgen.

Bindungsangst kann dazu führen, dass die Beziehung unausgewogen ist und dass einer der Partner sich überfordert oder vernachlässigt fühlt. Das Problem ist häufig: Es dreht sich alles um die Bindungsangst.

Gesunde Grenzen zu setzen bedeutet, dass du klar und deutlich kommunizierst, welche Bedürfnisse und Erwartungen du hast. Lass dich außerdem nicht von der Angst des Bindungsängstlers unter Druck setzen.

Nimm dir beispielsweise Zeit für dich selbst und verfolge deine eigenen Interessen, anstatt dich immer nur um den Partner mit Bindungsangst zu kümmern.

Oder triff eine klare Vereinbarung, dass du nicht immer zur Verfügung stehst, wenn der Partner mit Bindungsangst plötzlich beschließt, sich zurückzuziehen.

Nicht aufgeben

Erkenne, dass auch Rückschritte und Misserfolge Teil des Prozesses sein können. Durch diese Einsicht wirst du gelassener. Gib nicht sofort auf, wenn es mal schwer wird.

Kontra: Wann ein Neustart nicht sinnvoll ist

Um Enttäuschungen und emotionalen Verletzungen vorzubeugen, ist es wichtig, auch die andere Seite der Medaille zu betrachten.

Wann lohnt sich ein Neustart mit einem Bindungsängstler nicht

Berücksichtige folgende Faktoren, bevor du dich auf einen Neustart einlässt.

Fehlende Veränderungsbereitschaft

Du solltest nicht erneut eine Beziehung mit deinem Ex-Partner mit Bindungsangst eingehen, wenn er oder sie sich nicht bereit erklärt hat, an der Bindungsangst zu arbeiten.

Ohne den Willen zur Veränderung kann eine erneute Beziehung nur zu Enttäuschung und emotionalen Verletzungen führen.

Dann besteht die Gefahr, dass eine destruktive Spirale entsteht, in der sich der bindungsängstliche Mensch trennt, um nach einiger Zeit immer wieder zurückzukommen.

Fehlende Kommunikation und Grenzen

Du solltest auch nicht erneut eine Beziehung mit deinem Ex-Partner oder deiner Ex-Partnerin eingehen, wenn er oder sie sich in der Vergangenheit nicht an die vereinbarten Regeln und Grenzen gehalten hat.

Eine erneute Beziehung ohne eine klare Kommunikation und die Einhaltung von Grenzen kann nur dazu führen, dass die Probleme wiederkommen und dich emotional belasten.

Fehlende Verantwortung

Du solltest nicht erneut eine Beziehung mit deinem Ex-Partner eingehen, wenn er oder sie sich in der Vergangenheit nicht bereit erklärt hat, Verantwortung für seine oder ihre Handlungen und Worte zu übernehmen.

Beispielsweise sollte eine Person mit Bindungsangst neben ihren Bedürfnissen nach Freiheit und Nähe genauso deine Bedürfnisse im Blick haben können. 

Wenn du dich in Zeiten von Distanz in deiner Beziehung vor den Kopf gestoßen fühlst, dann mute dich der anderen Person zu und lass den Kontakt nicht abbrechen. 

Du darfst von deinem Gegenüber erwarten, Verantwortung für seine Handlung zu tragen, indem er oder sie dir zum Beispiel zuhört.

Fazit

Womöglich war die Person mit Bindungsangst nicht bereit, die Beziehung zu führen, die du dir gewünscht hast. Akzeptiere die Trennung, bevor du dir die Frage stellst, ob jemand mit Bindungsangst zurückkommt.

Es ist für Bindungsängstliche ein typisches Verhaltensmuster, nach der Trennung einen Neustart zu initiieren. Psychologische Forschungsarbeiten zeigen, dass Menschen mit Bindungsangst häufig ein ambivalentes Verhalten in Beziehungen haben.

Sie bewegen sich zwischen Nähe und Distanz hin und her. In Zeiten von Trennung ist es wahrscheinlich, dass das Bedürfnispendel wieder Richtung “Nähe” ausschlägt. 

Die Einsamkeit und das Vermissen der emotionalen Verbundenheit in einer Beziehung machen sich wieder bemerkbar. 

Daher kommt der bindungsängstliche Partner zurück und versucht erneut, eine Beziehung aufzubauen. Dieser Mechanismus kann sich immer wiederholen, wodurch die Beziehung für beide Partner:innen sehr schwierig und belastend sein kann.

Wenn jemand mit Bindungsangst zurückkommt, lohnt sich ein Neustart nur, wenn beide Partner:innen bereit sind, an ihren Problemen zu arbeiten. Es geht darum, das Bedürfnis nach Autonomie und Nähe in Einklang zu bringen.

Über den Autor

Über den Autor

Chris Bloom ist Systemischer Therapeut, Autor, Podcaster und Speaker. Nach einem Studium der Gesundheits­ökonomie (M.Sc.) arbeitete Chris im Gesundheits­bereich. Seit 2017 ist Chris als Coach tätig und hat sich auf die Themen Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis spezialisiert.

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Chris Bloom

Ich bin Chris Bloom – Systemischer Therapeut, Gesundheitsökonom (M. Sc.), Autor, Podcaster, Speaker und Coach. Unsere Gedanken und die richtige innere Haltung empowern uns, unser Leben nach unseren Wünschen zu kreieren. Das Fundament hierfür bilden die drei Säulen: Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis. Diese sind für uns individuell erlernbar – wie das Einmaleins in der Schule. Ich helfe dir dabei, dieses Fundament zu schaffen – damit du das Leben leben kannst, das du dir wünscht. Infos zu meiner Vita und Vision: Wer ist Chris Bloom?

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