Beziehungspause: Wann ist eine Trennung auf Zeit sinnvoll?

von | Veröffentlicht: 10. Jan 2023

Wie verhalte ich mich in einer Beziehungspause am besten, damit aus der Pause keine Trennung wird? Melden oder nicht? Antworten auf diese Fragen und wichtige Tipps für die Beziehungspause erhältst du in diesem Beitrag.

30-Sekunden Zusammenfassung

  • Unter einer Beziehungspause versteht man eine Trennung auf Zeit.
  • Die Partner:innen haben in der Regel die Absicht, sich nach der Beziehungspause wieder neu aufeinander einzulassen.
  • Während der Pause klären die Partner:innen beispielsweise durch Selbstreflexion ihre Zweifel an der Beziehung.
  • Frage dich, ob du mit der Beziehungspause eine Trennung lediglich aufschieben willst. Wenn die Antwort “Ja” lautet, ist die Beziehungspause nicht sinnvoll.
  • Paare haben unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit, aus der Beziehungspause gestärkt hervorzugehen.

Was bedeutet “Beziehungspause”?

Eine Beziehungspause entspricht einer Trennung auf Zeit.

Der Unterschied zur Trennung liegt bei der Beziehungspause darin, dass es die Absicht eines gemeinsamen Neuanfangs nach der Trennung auf Zeit gibt.

Die Beziehungspause dient also nicht dazu, sich emotional voneinander zu entfernen oder über die Trennung hinwegzukommen. Das Ziel besteht darin, die Beziehung zu retten.

In einer Beziehungspause entscheidet sich ein Paar für einen festgelegten Zeitraum für die räumliche Trennung: Sie ziehen zum Beispiel für 2 Monate aus der gemeinsamen Wohnung aus und vermieten diese unter – ohne dabei direkt alle Verbindlichkeiten aufzulösen.

Außerdem haben Paare typischerweise wenig bis gar keinen Kontakt für die Dauer der Beziehungspause. Diese Zeit alleine nutzen sie, um innere Ruhe und Klarheit zu finden.

Weitere unterstützende Regeln für die Auszeit findet jedes Paar individuell – weiter unten im Beitrag findest du hilfreiche Tipps.

Nach der Beziehungspause lassen sich die Beziehungspartner:innen im besten Fall neu aufeinander ein – sie “committen” sich.

Im “schlimmsten” Fall mündet eine Beziehungspause allerdings in eine endgültige Trennung, da Beziehungsprobleme nicht überwunden werden oder die Lebensumstände sich verändern. 

Schmerzhaft wird es dann, wenn sich die Paare nach der Beziehungspause nicht einig sind und eine Person unglücklich verliebt zurück bleibt.

Beim Thema Beziehungspause ist es wichtig, der Realität ins Auge zu schauen: Laut psychologischer Forschung finden nur 10 % der Paare nach einer Pause wieder langfristig zusammen. Bei dieser Studie handelte es sich um Paare, die vorher zusammen wohnten.

Diese Zahl zeigt: Wollen Paare nach einer Beziehungspause wieder zueinander finden und die Beziehung wirklich retten, ist dies mit echter Arbeit und Selbstreflexion verbunden.

Wann ist eine Beziehungspause sinnvoll und wann nicht?

Wann ist die Beziehungspause sinnvoll und wann nur ein Vorwand, um dem Trennungskonflikt aus dem Weg zu gehen?

Wann eine Beziehungspause sinnvoll ist

Den passenden “Soulmate” zu finden, braucht vor allem das richtige Timing

Das bedeutet, dass eine Beziehungspause vor allem dann sinnvoll ist, wenn er oder sie der Richtige ist, das Timing aber nicht stimmt.

Vielleicht helfen dir folgende fiktive Beispiele dabei, einzuordnen, ob eine Beziehungspause auch in deiner Situation sinnvoll ist:

  • Lisa und John sind sich unsicher, ob sie in derselben Stadt weiterleben werden: Lisa weiß noch nicht, in welcher Stadt sie für das Masterstudium einen Studienplatz bekommt. John dagegen hat einige gute Jobangebote im Ausland. Eine Pause könnte hilfreich sein, während diese Entscheidung in der Luft liegt.
  • Eine andere Möglichkeit für sinnvolle Beziehungspausen sind Orientierungsphasen im Leben: Beispielsweise leidet Patrick an einem Burnout und hat daraufhin seinen Job gekündigt. Er hat das Bedürfnis, sich selbst zu finden und verreist für ein halbes Jahr. Auch in diesen Phasen kann eine Pause fruchtbaren Boden für Neues in der Beziehung schaffen.

Schließlich ist eine Beziehungspause nur dann sinnvoll, wenn beide Partner:innen diese auch wollen. “Ich brauche eine Pause und bin die nächsten Tage nicht zu erreichen” ist kein vielversprechender Start für eine Beziehungspause.

Wann macht eine Beziehungspause keinen Sinn?

Ganz im Gegensatz zu den obigen Beispielen ist eine Beziehungspause laut Studien in vielen Fällen wie Wasser in den Wein gießen: Durch die Pause distanzierst du dich emotional so weit, dass die Begegnung mit deinem Partner oder deiner Partnerin danach kühl und reserviert ist.

Kurz gesagt: Die Beziehung ist nach der Pause instabiler als vorher.

Das passiert beispielsweise dann, wenn du mit der Beziehungspause eine Trennung aufschieben willst.

In diesem Fall ist eine Beziehungspause definitiv nicht sinnvoll.

Dieses Beispiel demonstriert, wie eine Trennung unter dem Deckmantel der Beziehungspause geschieht:

  • Du bringst den Mut für eine endgültige Trennung nicht auf – vielleicht aus Angst vor dem Trennungsschmerz. Durch die Blume sagst du deinem Gegenüber, dass es vorbei ist: “Eine Pause tut uns bestimmt gut. Ich brauche einfach mal etwas Abstand. Dann schauen wir weiter.” Insgeheim hoffst du womöglich, dass er oder sie sich während der Pause entliebt oder sogar jemand anderen findet und ihr im Guten auseinander geht.

In diesem Fall würdest du dich durch eine Beziehungspause deiner Verantwortung in der Partnerschaft entziehen, indem du den Trennungskonflikt meidest.

Im Extremfall mündet diese Art des Schlussmachens in Ghosting oder anderen toxische Verhaltensweisen, die für noch mehr Verletzung sorgen.

Fazit: Wenn Paare durch eine Beziehungspause vor ihren Problemen weglaufen, ist eine Beziehungspause auf keinen Fall sinnvoll. Die Probleme lösen sich nämlich nicht in Luft auf.

Eine Beziehungspause kann dann sogar das für eine Beziehung wichtige Vertrauen erschüttern, gemeinsam “durch dick und dünn” zu gehen.

Das neue Beziehungsmuster heißt dann: “Immer wenn es schwierig wird, trennen wir uns.”

Dieser Glaubenssatz führt häufig zu einer ungesunden On-Off-Dynamik in der Partnerschaft.

Kann eine Beziehungspause die Partnerschaft retten?

Grundvoraussetzung für einen gemeinsamen Neustart nach der Beziehungspause ist die Bereitschaft beider Partner:innen, sich zu verändern.

Eine Beziehungspause schafft Raum für diese Veränderung. Sie ermöglicht einen Ausstieg aus festgefahrenen Verhaltens- und Kommunikationsmustern in einer Partnerschaft.

Eine Beziehungskrise entsteht oft aufgrund beschädigter Kommunikation: Rette deine kaputte Beziehung, indem du lernst, deine Bedürfnisse klarer zu kommunizieren.

Diese kannst du beispielsweise während einer Beziehungspause wiederfinden. Finde wieder mehr zu dir selbst, um mit Gelassenheit und Klarheit auf deine Beziehung zu schauen.

Wenn beide Partner:innen die Beziehungspause für persönliche Weiterentwicklung nutzen – und nicht etwa ins “Single-Leben” eintauchen und die Zeit mit Daten und Flirten verbringen – dann kann eine Beziehungspause die Partnerschaft retten.

Dabei gibt es weitere wichtige Regeln zu beachten, damit aus der Beziehungspause keine Trennung wird.

5 Tipps und Regeln für die Beziehungspause: “Make it or break it”

Wie du dich am besten in einer Beziehungspause verhältst, damit aus der Pause keine Trennung wird, erfährst du in diesem Abschnitt.

Beziehungspause_5 Tipps

Beziehungspause: Melden oder nicht

Wenn man wochenlang nichts vom Gegenüber hört, dann spielt unter Umständen das eigene Gedankenkarussell verrückt.

Wenn du ein verlustängstlicher Beziehungstyp bist, malst du dir womöglich das Worst-Case-Szenario aus: Dein:e Partner:in geht fremd, hat sich mittlerweile gegen die Beziehung entschieden oder vermisst dich überhaupt nicht.

Einige dich mit deinem Gegenüber darauf, dass ihr euch während der Beziehungspausen über folgende Fragen austauscht:

  • Wie geht es dir mit der Beziehungspause?
  • Zu welchen neuen Selbsterkenntnissen bist du gekommen?
  • Was ist dir wichtig in der Beziehung?

So nehmt ihr euch als Paar gegenseitig auf eurer inneren Reise mit. Der positive Nebeneffekt: Ihr stärkt euer emotionales Band auch während der Beziehungspause.

Sieh allerdings davon ab, dein Gegenüber jeden Tag zu kontaktieren. Verzichte außerdem darauf, ihm oder ihr von deinem Alltag zu berichten.

In anderen Worten: Gib ihm oder ihr Raum für persönliche Weiterentwicklung. Nur so kann eine Beziehungspause auch Veränderung bewirken.

Dauer der Beziehungspause

Eine Beziehungspause ohne Ende in Sicht kann zu Unsicherheit, Zweifeln und Angst führen – setze also vor der Pause einen Zeitrahmen fest. 

Wie lange eine Beziehungspause dauert, ist höchst individuell: Je nach Grund für die Pause oder Länge deiner Beziehung variiert eine Pause von einer Woche bis zu mehreren Monaten – legt eine Zeit fest, mit der ihr euch beide wohl fühlt.

Grundregeln 

Ist es beispielsweise für beide Seiten in Ordnung, während der Beziehungspause andere Menschen zu treffen – also zu daten? Oder schafft das noch mehr Unsicherheit? 

Damit ihr die Beziehungspause gut übersteht, sind Grundregeln essenziell. Dass ihr euch vertraut, ist deshalb eine wichtige Voraussetzung. Grundregeln schaffen Klarheit für das Verhalten während der Beziehungspause und sollten möglichst im Vorhinein geklärt werden, damit es nicht zu unnötigen Verletzungen kommt.

Grundregeln für die Beziehungspause dienen vor allem einem Zweck: Dem Schutz der Beziehung.

Fokussiere dich beim Vereinbaren dieser Regeln auf das “Wohl” eurer Beziehung: Was braucht es, damit kein unnötiger Liebeskummer entsteht?

Dies ist eine gute Möglichkeit, gesunde Grenzen zu setzen.

Zeit für Selbstreflexion

Nutze die Zeit der Beziehungspause für dich persönlich. 

Wenn du vor der Frage “Soll ich mich trennen?” stehst, kann die Beziehungspause Klarheit schaffen. 

Kümmere dich um dich selbst, finde deine Ressourcen außerhalb der Beziehung. Dadurch gewinnst auf der einen Seite das Selbstvertrauen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Auf der anderen Seite gewinnst du eine neue Perspektive auf deinen Partner oder deine Partnerin. Denn: In der Beziehung projizierst du leicht all deine Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen auf dein Gegenüber.

Vor lauter Erwartungen kannst du den Menschen nicht mehr so wahrnehmen, wie er ist. 

Dein Gegenüber wird zu jeder Zeit sein oder ihr Bestmögliches geben. Er oder sie macht dir ein Beziehungsangebot und du kannst es entweder annehmen oder ablehnen

In der Beziehungspause kannst du für dich Klarheit finden, was du wirklich willst beziehungsweise brauchst. Nutze für deine Selbstreflexion zum Beispiel ein Journal und halte wichtige Gedanken schriftlich fest.

Höre jetzt gerne die Podcastfolge zum Thema “Selbstfindung”: 

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Triff eine Entscheidung

Wenn die vereinbarte Zeit der Beziehungspause zu Ende geht, ist es Zeit, eine Entscheidung zu treffen.

Schätze in einem ehrlichen Gespräch mit deinem Partner oder deiner Partnerin ab, ob eine gemeinsame Zukunft sinnvoll erscheint:

  • Was habt ihr während der Beziehungspause über die Beziehung und euch selbst gelernt?
  • Welchen Einfluss hat das auf den möglichen gemeinsamen Neustart?

Vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt deine Leidenschaft für ihn oder sie sogar neu entfacht, du hast dich “neu verliebt”.

Möglicherweise ist es aber auch an der Zeit, die Beziehung loszulassen.

Besonders herausfordernd wird es, wenn deine Liebe unerwidert bleibt. Sorge dann gut für dich selbst und widme dich deiner Selbstliebe.

Fazit

Du erträgst die Gegenwart deines Partners oder deiner Partnerin nicht mehr? Ihr streitet euch den ganzen Tag und hofft, eine Beziehungspause wird alles verändern? 

Sind wir einmal ehrlich: Das Totschweigen von Problemen hat diese noch nie gelöst. 

Daraus folgt: Wenn die Beziehungspause ein Vorwand für die Trennung ist, dann ist eine Pause nicht sinnvoll.

Es gibt dennoch viele Gründe, warum eine Beziehungspause sinnvoll sein kann: 

  • Es kann eine Möglichkeit sein, die Beziehung neu zu gestalten: Beispielsweise indem ihr während der Pause neue Wohnformen ausprobiert.
  • Timing: Eine Beziehungspause kann Raum für wichtige Lebensentscheidungen, wie zum Beispiel die Wahl des Studienortes oder Ähnliches schaffen.
  • Eine Beziehungspause kann in einer Orientierungsphase (oder auch “Mid-Life-Crisis”) eines Partners, Klarheit über die eigenen Bedürfnisse schaffen und sogar dazu beitragen, eine gesündere Beziehung zu fördern.

Eine Beziehungspause rettet also unter Umständen eine Beziehung

Der Schlüssel dazu, dass es funktioniert, ist neben Achtsamkeit mit dir selbst und deinem Gegenüber, eine positive Veränderungsabsicht: Nutze die Pause für dich und reflektiere dich selbst. 

Nach der Beziehungspause wissen beide Partner:innen im Bestfall, was ihnen in Beziehung wichtig ist und sind sich ihrer eigenen Bedürfnisse bewusster. Sie können gemeinsam abschätzen, ob eine gemeinsame Zukunft als Paar Glück verspricht.

In anderen Worten: Eine Pause ist eine Unterbrechung des Kontakts, muss aber keine Unterbrechung von Liebe und Mitgefühl sein.

Bonus: Kurs zum Loslassen

In dem Kurs “LET IT GO” lernst du, loszulassen. Dieser Online-Kurs eignet sich also optimal für dich, wenn du jemanden nicht nur vergessen, sondern die mit dem Menschen verbundenen negativen Emotionen wirklich loslassen möchtest.

Der Kurs besteht aus 5 Modulen. Jede Phase enthält eine Checkliste, an der du erkennst, wo du gerade stehst. In 7 Schritten lässt du die negativen Verbindungen zu ihm oder ihr los, um wieder frei und gesund Liebe fließen lassen zu können.

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Chris Bloom

Ich bin Chris Bloom – Systemischer Therapeut, Gesundheitsökonom (M. Sc.), Autor, Podcaster, Speaker und Coach. Unsere Gedanken und die richtige innere Haltung empowern uns, unser Leben nach unseren Wünschen zu kreieren. Das Fundament hierfür bilden die drei Säulen: Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis. Diese sind für uns individuell erlernbar – wie das Einmaleins in der Schule. Ich helfe dir dabei, dieses Fundament zu schaffen – damit du das Leben leben kannst, das du dir wünscht. Infos zu meiner Vita und Vision: Wer ist Chris Bloom?

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