Beziehungsunfähig? Anzeichen, Ursachen und 7 praktische Tipps

von | Stand: 23. Aug. 2025

Entdecke, was wirklich hinter dem Gefühl der Beziehungsunfähigkeit steckt und wie du deine Beziehung aktiv stärken kannst.

30-Sekunden-Zusammenfassung

  • Beziehungsunfähigkeit ist keine feste Eigenschaft, sondern ein überwindbares Verhaltensmuster, das Nähe erschwert.
  • Typische Anzeichen sind ein Nähe-Distanz-Problem, emotionale Unerreichbarkeit und kurze Beziehungen.
  • Hinter Beziehungsproblemen stecken oft Bindungs- oder Verlustängste, psychische Belastungen oder die Folgen toxischer Erfahrungen.
  • Jeder Mensch hat ein angeborenes Bedürfnis nach Bindung, wir möchten Geborgenheit und Sicherheit in der Beziehung erfahren.
  • Du kannst Beziehungsfähigkeit durch Selbstliebe, das Auflösen alter Glaubenssätze und gezieltes Üben von Kommunikation und Verletzlichkeit lernen.
  • Mache am Ende des Beitrags den Selbsttest “Bin ich beziehungsunfähig?”, um herauszufinden, wie es um deine Beziehungsfähigkeit steht.

Was bedeutet es, beziehungsunfähig zu sein?

Vielleicht hast du schon einmal gedacht: Warum gerate ich immer an die Falschen? Der Richtige ist nie dabei!Oder du fragst dich, warum dein:e Partner:in so oft auf Abstand geht, sobald es ernst wird.

Der Begriff „beziehungsunfähig“ ist dann schnell im Raum, aber was bedeutet er eigentlich genau?

Höre gerne auch die Podcast-Folge zum Thema Beziehungsunfähigkeit

Was heißt eigentlich „beziehungsunfähig“?

Beziehungsunfähig zu sein bedeutet nicht, keine Liebe empfinden zu können. Es bedeutet, über längere Zeit nicht in der Lage zu sein, mit einem Menschen emotional verbindlich und sicher in Beziehung zu gehen und diese Verbindung aufrechtzuerhalten.

Hinter Beziehungsunfähigkeit verbergen sich häufig

  • Bindungsunsicherheit,
  • negative Beziehungserfahrungen,
  • psychische Belastungen,
  • innere Überzeugungen,
  • oder gesellschaftlicher Erwartungsdruck,

welche Nähe als bedrohlich erscheinen lassen.

Beziehungsunfähigkeit ist kein festes Persönlichkeitsmerkmal und auch keine Krankheit, sondern ein schützender, aber oft hinderlicher Versuch, vermeintliche „Gefahr“ zu verhindern.

Deine Art, in Beziehung zu sein, lässt sich verändern – durch Selbsterkenntnis, Coaching, positive Erfahrungen und Entwicklung.

Wichtig: Das Bedürfnis nach Bindung ist laut Bindungstheorie angeboren. Niemand ist von Natur aus beziehungsUNfähig. Sowohl Frauen als auch Männer streben von klein auf nach emotionaler Sicherheit und Nähe zu engen Bezugspersonen.

Der Unterschied zwischen Beziehungsunfähigkeit und Bindungsangst

Beziehungsunfähigkeit ist nicht gleich Bindungsangst. Letztere ist nämlich eine von vielen möglichen Ursachen, warum es Menschen schwer fällt, eine stabile, sichere Bindung einzugehen.

Bindungsangst ist die Furcht vor einer intimen, exklusiven Partnerschaft. Bindungsängstler beschreiben es so: „Es fühlt sich an, als würde einem die Luft zum Atmen fehlen.“

Symptome von Bindungsangst sind

  • On-Off-Beziehungen,
  • emotionale Kälte,
  • körperlicher Rückzug
  • und die Angst, etwas anderes „Besseres“ zu verpassen (FOMO).

Auf theoretischer Ebene ist die Angst vor Bindung ein Ausdruck eines ängstlichen Bindungsstils – des unsicher-vermeidenden Bindungsstils. Beziehungstypen bilden sich vor allem durch Beziehungserfahrungen in den ersten Lebensjahren mit bedeutsamen Bezugspersonen heraus.

Beziehungsunfähigkeit dagegen ist kein „Beziehungstyp“. Niemand ist per se beziehungsunfähig. Allerdings gibt es Faktoren, die vorübergehend (auch länger) das Eingehen und Aufrechterhalten einer Partnerschaft erschweren.

Warum Sternzeichen nichts mit Beziehungsfähigkeit zu tun haben

Um sich die Welt zu erklären und Antworten auf drückende Fragen zu erhalten, entwickeln Menschen die unterschiedlichsten Theorien: So gehen manche Menschen davon aus, dass Beziehungsfähigkeit auch durch das Sternzeichen beeinflusst ist.

Es hält sich beispielsweise wacker der Mythos, dass die Sternzeichen Jungfrau oder Wassermann Schwierigkeiten hätten, Beziehungen einzugehen. 

Doch es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass Sternzeichen die Fähigkeit zu tiefer Bindung beeinflussen. Beziehungsmuster entstehen durch Lebenserfahrungen und das Repertoire an sozialen Fähigkeiten wie Kommunikationsskills – nicht durch Horoskope.

Wer die vermeintliche Beziehungsunfähigkeit auf das Sternzeichen schiebt, macht es sich also zu einfach – und ist womöglich nicht willens, Verantwortung für die Qualität der eigenen Partnerschaften zu übernehmen.

Anzeichen und Symptome: Woran erkenne ich Beziehungsunfähigkeit?

Du fragst dich, ob Beziehungsunfähigkeit ein Thema für dich oder jemanden in deinem Umfeld sein könnte? Fällt es dir schwer, die Zeichen zu deuten?

Wichtig: Beziehungsunfähigkeit äußert sich im Alltag in bestimmten Mustern und Verhaltensweisen, die Beziehungen erschweren. Es geht dabei nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern darum, Verhaltensweisen zu erkennen, die eine tiefere Verbindung verhindern.

Wie sich Beziehungsunfähigkeit im Alltag zeigt

Um Beziehungsunfähigkeit bei dir selbst oder anderen zu erkennen, achte auf diese klaren Anzeichen:

  • Mangelndes Verantwortungsbewusstsein: Fehler werden bei dir oder den Umständen gesucht, nie bei der beziehungsunfähigen Person selbst. Das blockiert jedes gemeinsame Wachstum.
  • Kein Commitment: Es gibt ständig Ausreden, die eine tiefere Bindung verhindern. Ein Treffen wird abgesagt, ein gemeinsamer Urlaub verschoben –  echtes Vertrauen kann so kaum entstehen.
  • Gefühle kochen über: Emotionen werden lange unterdrückt, bis sie sich plötzlich in Wut oder Frust entladen, statt vorher offen kommuniziert zu werden.
  • „Hot and Cold“-Verhalten: Nach Nähe folgt oft plötzliche Distanz, was Verwirrung stiftet und zu Einsamkeit in Beziehung führen kann.
  • Kurze Beziehungen: Oft gibt es eine Historie von sehr kurzen Beziehungen oder On-Off-Beziehungen und schnellen Trennungen, besonders wenn es in Richtung “echte Bindung” geht.
  • Wenig Empathie: Beziehungsunfähigen Personen fällt es schwer, sich in die Gefühlswelt des Gegenübers hineinzuversetzen. Dadurch fühlen sich die Partner:innen häufig unverstanden.
  • Vermeidung von Zukunftsplänen: Gespräche über gemeinsame Zukunft werden umschifft oder vage gehalten.
  • Keine Verletzlichkeit: Wahre Gefühle, Ängste oder Unsicherheiten werden kaum geteilt. Die Person ist emotional nicht verfügbar.

Wenn dein:e Partner:in beziehungsunfähig ist

Ein klares Anzeichen von Beziehungsunfähigkeit ist die emotionale Unerreichbarkeit des Partners oder der Partnerin. Alles fühlt sich distanziert an. Dein Gegenüber ist physisch da, aber emotional nicht zugänglich – eine unsichtbare Mauer trennt euch. 

Du spürst, wie tiefen Gesprächen ausgewichen und Nähe unterbunden wird.

Das Resultat: Du fühlst dich allein in der Beziehung, obwohl du nicht allein bist. Dieser Schmerz der Einsamkeit trotz Beziehung ist ein deutliches Signal für Schwierigkeiten bei tiefer Bindung.

Warum haben Menschen Schwierigkeiten mit Beziehungen?

Die Gründe für Beziehungsunfähigkeit erstrecken sich von tiefsitzenden, prägenden Beziehungserfahrungen in der Kindheit über vorübergehende psychische Belastungen wie Stress auf der Arbeit, die ein tieferes Einlassen auf Beziehung erschweren.

Beziehungsunfähig_8 typische Ursachen

Beziehungsunfähig nach toxischer Beziehung

Hast du eine toxische Beziehung hinter dir?

Dann ist dein Gefühl, „beziehungsunfähig“ zu sein, oft eine Schutzreaktion. Denn: Die Angst vor erneuter Verletzung sitzt erstmal zu tief.

Nach Manipulation – einem typischen Verhaltensmuster toxischer Beziehungen – fällt Vertrauen schwer.

Doch sei dir bewusst: Das ist eine normale Reaktion deines Systems, nicht deine dauerhafte Unfähigkeit zu lieben. Dein Herz braucht Zeit zur Heilung.

Bindungs- und Verlustangst: Die Wurzeln emotionaler Distanz

Hinter emotionaler Distanz steckt oft eine tiefer liegende Angst, sich näher einzulassen. Diese Distanz nehmen Partner:innen oftmals als „Beziehungsunfähigkeit“ wahr.

Ängste bauen unsichtbare Barrieren auf, die echte Verbindung erschweren:

  • Bindungsangst: Die Furcht vor Nähe und dem Verlust der eigenen Identität. Studien zeigen: Bindungsängstliche Partner:innen ziehen sich schnell zurück oder suchen nur für kurze Momente intensiv Nähe, um nicht aufzugeben, wer sie sind oder was sie erreichen wollen.
  • Verlustangst: Die Angst, verlassen oder verletzt zu werden. Um diesen Schmerz zu vermeiden, schotten sich Betroffene emotional ab und verhindern so tiefere Bindung.

Beziehungsunfähigkeit durch psychische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen können die Fähigkeit, tiefe und stabile Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten, erheblich beeinträchtigen.

Wichtig: Dabei geht es nicht um „Beziehungsunfähigkeit“ im Allgemeinen, sondern um spezifische Beziehungsdynamiken, die mit professioneller Hilfe bearbeitet werden können.

Verschiedene psychische Erkrankungen können bei diesen dysfunktionalen Beziehungsmustern eine Rolle spielen:

Depression: Manche Menschen wirken beziehungsunfähig, weil sie mitten in einer depressiven Phase stecken. In so einer Phase fällt es laut Forschern schwer, klare Entscheidungen zu treffen – zum Beispiel die Entscheidung für oder gegen eine Beziehung. Außerdem weisen Menschen mit Depression laut Psycholog:innen eine starke Rückzugstendenz auf. Diese befeuert den Teufelskreis aus Einsamkeit und einem geringen Selbstwertgefühl.

Nicht, weil Liebe fehlt – sondern weil der Zugang dazu gerade versperrt ist.

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung): Wenn du oder dein:e Partner:in ADHS haben, kennst du vielleicht die Achterbahnfahrt von Impulsivität? Beispielsweise schaukeln sich Konflikte im Beziehungsalltag durch impulsive Aussagen oder voreiligen Rückzug leichter hoch.

Narzissmus und Empathie: Stell dir vor, jemand ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass kein Raum mehr für andere bleibt. Partner:innen mit stark ausgeprägter narzisstischer Störung nehmen die Bedürfnisse anderer eher als “nervig” oder irrelevant wahr. Man kann sich vorstellen: Ohne Einfühlungsvermögen wird es schwer, eine tiefe und langfristige Beziehung aufzubauen.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Studien belegen, dass bei Paaren mit einer Trauma-Vergangenheit (zum Beispiel Vernachlässigung in der Kindheit oder das Miterleben häuslicher Gewalt) sowohl die Kommunikation als auch der Zusammenhalt entweder positiv oder negativ betroffen sein können. Entweder ist das Erlebte Anlass, sich tiefer auszutauschen oder aber führt zu emotionaler Distanz.

Probleme mit der sexuellen Intimität treten gehäuft auf, selbst bei nicht-sexuell bedingten Traumata. Trotzdem können Unterstützung durch die Partner:innen und weitere Beziehungsressourcen wie Therapie eine wichtige Rolle bei der Bewältigung spielen.

Wenn Süchte Nähe unmöglich machen

Kennst du das Gefühl, keine emotionale und zeitliche Kapazität für eine Beziehung zu haben?

Das kann entweder an deinem vollen Alltag liegen, oder aber an zeitfressenden Gewohnheiten oder sogar Suchttendenzen, die eine Mauer zwischen dich und dein Herzensmenschen bauen können.

Ob es das ständige Abtauchen in Arbeit ist, zu viel Zeit mit Gaming, Social Media oder eben auch der Konsum von Substanzen wie Cannabis – all das kann dazu führen, dass du dich innerlich überfordert fühlst.

Wichtig: Es ist keine bewusste Entscheidung gegen die Liebe, sondern die Beziehungsfunfähigkeit zeigt sich in einem Gefühl der Überforderung, das dazu führt, dass Nähe schwierig wird.

Glaubenssätze und Beziehungsmuster

Manchmal hindern dich negative Glaubenssätze daran, Liebe zu fühlen oder zu zeigen und Vertrauen zu deinem Gegenüber zu fassen.

Beispiele für solche Glaubenssätze sind:

  • „Ich bin nicht gut genug“,
  • „Ich bin nicht wichtig“,
  • „Ich kann nur ohne Bindung frei sein“
  • oder „Ich habe Angst, mich zu verlieren“

Negative Glaubenssätze über dich selbst können dein Vertrauen darin erschüttern, dass du es wert bist, geliebt zu werden.

In anderen Worten: Mit einem niedrigen Selbstwert fällt es dir möglicherweise schwer, richtig zufrieden in einer Partnerschaft zu sein.

Entweder glaubst du den Liebesbekundungen deines Partners nicht und ziehst dich mehr und mehr zurück.

Oder aber du brauchst unbedingt die Bestätigung von deinem Gegenüber, um dich wertvoll als Mensch zu fühlen. Dein Glück hängt also von der Bestätigung von außen ab – eine Aufgabe, die kein:e Partner:in auf Dauer zufriedenstellend erfüllen kann.

Wer seine Glaubenssätze auflöst, arbeitet deshalb aktiv daran, beziehungsfähig zu sein.

“Generation beziehungsunfähig”: Mythos oder Realität?

Werden die jüngeren Generationen wirklich beziehungsunfähiger? Oft wird den Millennials (geboren ca. 1980er bis Mitte 1990er) vorgeworfen, keine stabilen Beziehungen eingehen zu können. Ein Grund sei das scheinbare Überangebot durch Dating-Apps, das FOMO (Fear of Missing Out) schürt – die Angst, den „besseren“ Partner zu verpassen.

Studien zeigen ein differenziertes Bild: Der Wunsch nach Bindung ist vorhanden, er wird aber mit der persönlichen Freiheit balanciert. Gleichzeitig verfolgen viele Millennials eine idealisierte Beziehungsvision – und haben hohe Ansprüche.

Auch gesellschaftlicher Druck spielt eine Rolle: Der Gedanke „Ich muss einen Partner haben, um wertvoll zu sein“ kann zu unüberlegten, instabilen Beziehungen führen.

Andersherum belasten viele Menschen überhöhte Erwartungen – an sich selbst oder den Partner. Sie können dazu führen, dass Beziehungen gar nicht erst eingegangen werden.

Es ist also eine Mischung aus modernem Dating-Verhalten und dem Druck, perfekt sein zu müssen, der das Bild der „beziehungsunfähigen Generation“ prägt. Kurz gesagt: Gesellschaftlicher Druck kann Beziehungsunfähigkeit befeuern.

Wirtschaftliche Faktoren

Es ist wichtig zu verstehen, dass Beziehungsfähigkeit nicht nur eine Frage der Person selbst ist. Auch äußere Umstände wie die wirtschaftliche Lage spielen eine große Rolle.

Eine amerikanische Studie zeigt zum Beispiel: In sogenannten „fragilen Familien“ – in der Studie definiert als unverheiratete Eltern mit Kindern – scheitern Beziehungen häufiger schon in den ersten fünf Jahren.

Die Gründe sind vielfältig:

  • Finanzielle Sorgen: Wenn das Geld knapp ist, kann das enormen Druck auf eine Beziehung ausüben und Streit verursachen.
  • Psychische Belastungen: Stress, Ängste oder Depressionen, die oft mit schwierigen sozioökonomischen Lebensumständen einhergehen, machen es schwer, eine stabile Partnerschaft zu führen.
  • Fehlendes Vertrauen: Die Studie zeigt, dass ein nicht unerheblicher Teil der Mütter der Meinung ist, unverheirateten Männern könne man nicht vertrauen, treu zu sein, oder sie würden Frauen ausnutzen wollen. Dieser Mangel an Misstrauen erschwert den Aufbau langfristig stabiler Beziehungen.

Es geht also nicht immer nur ums Wollen, sondern auch darum, wie gut die äußeren Bedingungen eine stabile Partnerschaft zulassen.

Trennung als Neuorientierung

Manchmal ist, was wie Beziehungsunfähigkeit aussieht, einfach eine zeitlich bedingte Blockade. Wenn du gerade eine Trennung oder Scheidung hinter dir hast, ist es völlig normal, dass du Zeit für dich selbst brauchst. Nach einer so einschneidenden Erfahrung ist es wichtig, sich neu zu sortieren, die eigene Kraft und Unabhängigkeit wiederzufinden.

Das ist keine Unfähigkeit zur Beziehung, sondern eine notwendige Phase der Trennung: Selbstfürsorge und Heilung. Gib dir diese Zeit – sie ist entscheidend, um wieder stabil und offen für neue Verbindungen zu sein.

Wege aus der Beziehungsunfähigkeit: 7 Tipps

Stärke deine Fähigkeit, Bindung einzugehen und gesunde Beziehungen zu führen mit folgenden konkreten Tipps.

Beziehungsunfähigkeit_7 Tipps

Erkenne deine Beziehungsmuster

Bevor du heilen kannst, ist es wichtig zu verstehen: “Warum fällt mir Nähe so schwer?”

Beschäftige dich mit deinem „Beziehungs-Blueprint”, also deinen früheren Beziehungserfahrungen:

  • Welche Muster wiederholen sich?
  • Was meidest du in Beziehungen?
  • Was hast du vielleicht in der Kindheit über Liebe gelernt?

Dieses Verstehen ist der erste mutige Schritt, um alte Prägungen aufzulösen.

Selbstliebe üben

Jede gesunde Beziehung beginnt bei dir selbst: Bevor du andere lieben kannst, “musst” du dich selbst lieben.

Wenn du dich selbst als wertvoll erachtest, kannst du den Gedanken „Ich bin nicht gut genug“ überwinden und dich auf Augenhöhe einlassen.

Glaubenssätze erkennen und auflösen

Tief in uns tragen wir oft unbewusste Überzeugungen über Beziehungen („Ich muss alles alleine schaffen“, „Liebe tut weh“, „Nähe ist gefährlich“, „Ich bin zu viel“).

Um diese kritisch zu hinterfragen und aufzulösen, bieten sich folgende schriftlichen Übungen an:

1. Vervollständige spontan folgende Sätze: „Beziehung bedeutet …“ und „In Beziehungen muss ich …“

2. Welche dieser Glaubenssätze sind hilfreich – welche nicht?!

3. Schau dir die negativen Glaubenssätze einmal genauer an:

  • Wer könnte dir diese Sätze so beigebracht haben?
  • Wann hast du diese Überzeugungen gebildet?
  • Auf einer Skala von 0 bis 100 – wie unumstößlich wahr sind diese Überzeugungen?
  • Welche alternativen Glaubenssätze wären hilfreicher?

4. Schreibe dein inneres Skript bewusst neu, indem du dir beispielsweise sagst: „Ich bin es wert, geliebt zu werden.“

Offene Kommunikation

Lerne, über deine Gefühle zu sprechen – klar und ohne Vorwürfe. Anstatt Mauern zu errichten, unterstützt dich eine offene Kommunikation dabei, Brücken zwischen dir und deinem Gegenüber zu bauen.

Besonders hilfreich für eine wertschätzende und gleichzeitig authentische Kommunikation ist das 4-schrittige Handlungskonzept der „Gewaltfreien Kommunikation“:

1. Situation neutral beobachten

2. Eigene Gefühle wahrnehmen

3. Bedürfnisse erkennen

4. Wunsch äußern

Das gilt auch umgekehrt: Stärke deine Beziehung, indem du nicht nur dich selbst offenbarst, sondern auch aktiv zuhörst, was dein:e Partner:in sagt, auch wenn es schwerfällt.

Verletzlichkeit wagen

Wahre Beziehungsfähigkeit entsteht dort, wo du dir erlaubst, verletzlich zu sein. Es ist der Mut, dich wirklich zu zeigen – mit all deinen Ängsten, Unsicherheiten, aber auch deinen Stärken und Wünschen.

Wie die renommierte Forscherin Brené Brown betont, ist Verletzlichkeit keine Schwäche, sondern die Geburtsstätte von

  • Liebe,
  • Zugehörigkeit
  • und Freude.

Wie das konkret funktioniert:

  • Dich „zumuten“: Trau dich, deine Masken fallen zu lassen und authentisch zu sein. Teile etwas, was dir am Herzen liegt.
  • Schritt für Schritt öffnen: Beginne dabei mit kleinen Schritten – teile beispielsweise eine Geschichte, die dich berührt, oder sprich über ein Gefühl, das du sonst eher zurückhalten würdest. Beobachte, wie dein Gegenüber reagiert und lerne, wem du vertrauen kannst.
  • Risiko eingehen: Ja, es ist ein Risiko, sich zu öffnen. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Wenn du dich traust, wirklich gesehen zu werden, kann auch eine tiefe, bedeutungsvolle Verbindung entstehen.

Therapie oder Coaching

Manchmal sind die eigenen Mauern zu hoch, um sie allein zu überwinden. Scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ein Therapeut oder Beziehungscoach kann dir helfen, tiefsitzende Ängste, vergangene Traumata oder festgefahrene Beziehungsmuster aufzubrechen.

So kannst du neue Wege für dich finden, Beziehung zu gestalten. Dir Hilfe zu holen, ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.

Es gibt übrigens wichtige Unterschiede zwischen Coaching und Therapie.

Geduld und Selbstmitgefühl

Veränderung braucht Zeit und ist kein linearer Prozess. Das bedeutet, es wird Rückschläge geben – das ist normal.

Übe dich in Geduld: Sei nachsichtig mit dir selbst.

Feiere jeden kleinen Fortschritt, indem du dich beispielsweise selbst belohnst oder deine Freunde an Wachstumschritten teilhaben lässt.

Erinnere dich daran: Du bist auf deinem Weg persönlichen Wachstums, nicht der Perfektion.

Jeder Schritt zählt!

Selbsttest – Bin ich beziehungsunfähig?

Dieser Selbsttest ist eine Einladung zur Selbstreflexion – kein wissenschaftlich validierter psychologischer Test.

Beantworte die folgenden Fragen ehrlich und intuitiv. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Wähle auf der Skala von 1 (Stimme gar nicht zu) bis 5 (Stimme voll und ganz zu), wie sehr die Aussage auf dich zutrifft.

Der Test wurde entwickelt, um dir erste Hinweise und eine Momentaufnahme deines Beziehungsverhaltens zu geben. Nimm dir einen Moment Zeit, um ehrlich in dich hineinzuhören.

Deine Antworten können ein wertvoller erster Schritt sein, um deine eigenen Beziehungsmuster besser zu verstehen und Entwicklungspotenziale zu entdecken.

Fazit

Menschen haben ein angeborenes Bedürfnis nach Bindung. „Beziehungsunfähigkeit“ bedeutet nicht, dass du unfähig bist, zu lieben.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich nicht auf Beziehungen einlassen wollen oder sich gegen eine langfristige Partnerschaft entscheiden.

Gründe hierfür sind:

  • Stress und Überforderung,
  • Psychische Erkrankungen wie Depressionen,
  • Mangelnde Selbstliebe,
  • Bindungs- oder Verlustangst,
  • Gesellschaftlicher Druck,
  • Wirtschaftliche Faktoren,
  • Negative Glaubenssätze,
  • Frisch getrennt,
  • oder eine toxische Beziehungsvergangenheit.

Beziehungsunfähigkeit ist kein Charakterdefizit, sondern ein Verhalten in Beziehungen, das tiefe Bindung verhindert. Dies kann bewusst oder unbewusst wirken und dabei obigen Umständen und Lebenssituationen geschuldet sein.

Über den Autor

Über den Autor

Chris Bloom ist Systemischer Therapeut, Autor, Podcaster und Speaker. Nach einem Studium der Gesundheits­ökonomie (M.Sc.) arbeitete Chris im Gesundheits­bereich. Seit 2017 ist Chris als Coach tätig und hat sich auf die Themen Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis spezialisiert.

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Chris Bloom

Ich bin Chris Bloom – Systemischer Therapeut, Gesundheitsökonom (M. Sc.), Autor, Podcaster, Speaker und Coach. Unsere Gedanken und die richtige innere Haltung empowern uns, unser Leben nach unseren Wünschen zu kreieren. Das Fundament hierfür bilden die drei Säulen: Selbstvertrauen, Selbstliebe und Selbstkenntnis. Diese sind für uns individuell erlernbar – wie das Einmaleins in der Schule. Ich helfe dir dabei, dieses Fundament zu schaffen – damit du das Leben leben kannst, das du dir wünscht. Infos zu meiner Vita und Vision: Wer ist Chris Bloom?

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